Medien : Einer gegen Mugabe

Hartes Geschäft: Trevor Ncube ist unabhängiger Verleger in Simbabwe

Hadija Haruna

Der Standpunkt von Trevor Ncube ist klar. „Ein unabhängiger Journalist ist, wer sich weder in die Tasche der Regierung, noch in die der Opposition stecken lässt“, sagt der simbabwische Journalist. Er will sich nicht gemeinmachen mit den Zielen der Opposition in Simbabwe, auch wenn die Regierung unter Robert Mugabe Unterdrückung bedeutet. Ncube ist Zeitungsverleger in Simbabwe, er hat die beiden unabhängigen Wochenzeitungen „Zimbabwe Independent“ und „The Standard“ gegründet und verlegt die südafrikanische Zeitung „Mail and Guardian“.

Keine andere der neun in Simbabwe erscheinenden Zeitungen sei so unabhängig wie seine, sagt Ncube. Der Sohn eines Kochs und einer Haushaltshilfe hatte sich bis zum Chefredakteur der staatlichen Zeitung „Financial Gazette“ hochgearbeitet, ehe er wegen regierungskritischer Äußerungen gekündigt wurde und selbst zum Zeitungsverleger geworden ist. Wegen seines Einsatzes für die Pressefreiheit wurde dem Zeitungsverleger der Deutsche Afrikapreis verliehen.

Dass Ncubes Zeitungen hauptsächlich von wohlhabenden Simbabwern in den Großstädten gelesen werden, zeigt schon der Preis. Eine Ausgabe kostet derzeit zwei Dollar, zu viel für die Masse der Simbabwer, die unter einer Arbeitslosenquote von 80 Prozent leiden. Durch die ökonomische Krise und die Hyperinflation ist die Auflage von Ncubes Wochenzeitungen in den letzten fünf Jahren rapide gesunken: 2003 konnte „Standard“ 41 000 Exemplare pro Woche verkaufen, der „Independent“ 28 000 Blätter. Heute sind es jeweils nur noch rund 11 000 Exemplare.

Hinzu kommt, dass rund drei Viertel der Simbabwer in ländlichen Gebieten leben, wo Ncube seine Zeitung nicht verkaufen kann, weil allein der Vertrieb schon zu kostspielig wäre. Aber das ist nicht der einzige Grund. Auf dem Land leben die meisten Anhänger Mugabes. „Das ist eine Umgebung, in der wenig bis gar keine Toleranz herrscht. Unabhängige Journalisten sind in Gefahr, wenn sie dort recherchieren“, sagt der Verleger. Trotzdem fährt manchmal einer in die „vergessenen Gebiete“, weil von hier die Geschichten kommen, die das Leben der meisten Simbabwer betreffen.

Unabhängige Journalisten in Simbabwe arbeiten mit dem ständigen Risiko, ins Gefängnis zu kommen. Fast alle Mitarbeiter von Ncube wurden mindestens einmal verhaftet, zwei verschwanden spurlos für eine Woche: Sie waren zuerst eingesperrt und dann gefoltert worden. Auch Ncube hat einige Zeit im Gefängnis verbracht, weil er über die Hochzeit Mugabes mit seiner damaligen Sekretärin geschrieben hatte. Der Medienapparat der simbabwischen Regierung zielt auf propagandistische Maßnahmen. Das ist sicher auch ein Grund, warum Ncube keine Lizenz bekommt, um eine Tageszeitung herauszubringen: „Die Gefahr ist groß, dass Menschen die tägliche Propaganda mit der wahrheitsgemäßen Berichterstattung vergleichen könnten“, sagt Ncube.

Vom Staat angestellte und unabhängige Journalisten in Simbabwe unterscheiden sich in ihrer Arbeitsmoral. Staatliche Medien arbeiten in Ncubes Augen nicht nach journalistischen Regeln wie Fairness, Objektivität oder Ausgewogenheit. Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass der Job für viele einfach nur Arbeit bedeute – „und die haben nicht viele in Simbabwe. Dafür verkauft mancher seine Seele“.

Gefährdungen sieht Ncube auch auf der anderen Seite. „Viele Journalisten in Simbabwe werden zu Aktivisten und selbst zu einem Teil der Geschichte, von der sie eigentlich nur hatten berichten wollen. Doch ein Journalist darf keine Politik machen.“

Ncube ist pessimistisch, was die Gegenwart in Simbabwe angeht, er ist aber optimistisch für die Zukunft. Die angestrebte Zusammenarbeit zwischen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai und dem Präsidenten sieht er kritisch. „Mugabe lebt in einer Welt, in der keine Opposition existiert. Einen Mann verändern, der so lange im Amt ist und kein Demokratieverständnis hat? Unmöglich!“ Der Deal mit Tsvangirai sei nur ein Trick gewesen. Das werde jetzt auch der Opposition klar. „Trotzdem steht fest, dass Tsvangirai Stimmen aus den ländlichen Gebieten an sich binden konnte, weil es vielen Simbabwern so schlecht geht, dass sie nicht mehr an die Worte Mugabes glauben können.“

Bisher ist es Ncube zufolge nur der Opposition, nicht aber den Medien gelungen, die Stimmung auf dem Land zu beeinflussen. Das zeige aber auch, dass Alleingelassene, sofern sie einen winzigen Zugang zu neutraler Information hätten, irgendwann eigenständig handelten. Optimismus ist Ncubes Antrieb: „Es gibt nichts Spannenderes, als etwas Neues zu schaffen. Das treibt mich an, meine Zeitungen am Laufen zu halten. Denn es wird eine großartige Zukunft für sie geben, wenn unser Land neu aufgebaut werden wird.“

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