Medien : Einfach nur ehrlich

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Die Harald Schmidt Show. Sat 1. Irgendwann wird er gar nicht mehr zurückkommen, und was dann passiert, das vermag man nicht zu sagen. Kann sich noch jemand erinnern, wie es ohne ihn war, all die Jahre, die Jahre vor 1995? Seit Dienstag ist Harald Schmidt zurück, zurück aus der Sommerfrische, und man musste befürchten, dass es eine traditionell schwache Auftaktshow geben wird. Nach längeren Pausen hat Schmidt Mühe in Fahrt zu kommen. Im letzten Jahr war das bereits anders, nach der auferlegten Zwangspause wegen des 11. Septembers. Als er da wieder kam, da war er der beste Schmidt, den es jemals gab.

Und diesmal? Am Montag war Schmidt auf der Telemesse, eine Veranstaltung, bei der die Sender den Werbekunden das Programm für das nächste Jahr vorstellen. Schmidt kam also, mit Gummistiefeln, dunkelblauem Poloshirt und beiger Hose und er sagte, er wolle sich mal selbst ein Bild machen, vor dem Fernseher könne man das ganze Ausmaß der Katastrophe gar nicht fassen. Die „Bild“-Zeitung schrieb gestern über diesen Auftritt, man dürfe keine Witze über die Flutopfer machen – hat Schmidt ja auch nicht getan, das sparte er sich für seine Show auf. Natürlich werde er spenden, sagte er, aber dann wolle er auch Mitspracherecht haben beim Kauf der neuen Sofas. Nebenbei machte er sich lustig über den sächsischen Dialekt und über den „Offenen Brief“ der Kanzlergattin an Friede Springer.

In Wirklichkeit aber griff Schmidt nur das Fernsehen an – auf der Telemesse, in seiner Show. Er habe gesehen, wie ein Reporter zwei ältere Damen interviewt hatte, die in Dresden auf einer Bank saßen. Der Reporter sei sehr aufgebracht gewesen ob der Katastrophe, aber die beiden Frauen erzählten dem Mann, dass es ihnen sehr gut gehe. Man habe ihnen nett geholfen, und schließlich hätten sie ja auch den Krieg und die Bomben überstanden. Der Reporter, gefangen in seiner Katastrophengeilheit, war fassungslos.

Das, was Schmidt am Dienstag machte, war weder böse noch zynisch. Es war ehrlich. Matthias Kalle

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