Medien : Einig gegen Berlusconi

Der „Corriere della sera“ streikt, Italiens Journalisten streiken mit

Thomas Migge[Rom]

„Der Fall Corriere und kein Ende“, schrieb am Sonntag die römische Tageszeitung „La Repubblica“ . Zusammen mit dem Mailänder „Corriere della sera“ sind die beiden Tageszeitungen die auflagenstärksten Blätter Italiens. Und sie sind zwei erbarmungslose Konkurrenten. Wenn es darum geht, der anderen Zeitung Leser abzujagen, kennen sie kein Pardon. Doch wenn es darum geht, dem Konkurrenten in seinem Kampf gegen die Beeinflussung durch Regierungspolitiker beizustehen, dann denkt man solidarisch. Jeden Tag rufen in „La Repubblica“, wie auch in anderen nicht regierungsnahen Printmedien, prominente Redakteure zum Kampf für einen politisch unabhängigen „Corriere della sera“ auf.

Am 29. Mai wurde der Direktor der Zeitung, Ferruccio De Bortoli, durch Stefano Folli ersetzt. Jeder Direktorenwechsel beim „Corriere“ in den letzten 50 Jahren führte zu einem politischen Kurswechsel. De Bortoli war Regierungschef Silvio Berlusconi schon lange ein Dorn im Auge, hatte er doch den regierungskritischen Kurs seines Blattes nicht gezügelt. Folli soll diesen Kurs jetzt ändern. Von „politischer Einflussnahme“ (Dario Fo) ist die Rede und von „dem Versuch Berlusconis, den Corriere zu unterwandern“ (Nanni Moretti). Auch die betroffenen Journalisten denken so. Am vergangenen Samstag haben sie zu einem spontanen Streik aufgerufen. Am Sonntag erschien die Zeitung nicht. In den nächsten Tagen soll es zu einem weiteren Streik aller italienischen Journalisten kommen. Damit wollen sie gegen eine Regierung demonstrieren, die ihrer Meinung nach der Pressefreiheit den Garaus machen wolle.

Führende Intellektuelle, wie Umberto Eco und die Schriftstellerin Dacia Maraini, unterstützen den Kampf der Journalisten. Auch sie befürchten, dass sich bald schon regierungsnahe Unternehmer in den Verlag RCS einkaufen werden, zu dem der „Corriere della sera“ gehört. Auf diese Weise, so ihre Furcht, werde Berlusconi zwar nicht direkt Eigentümer der regierungskritischen Zeitung, dafür aber seine Freunde. „Das Ende einer politisch unabhängigen Presse in Italien“, sagt Literatur-Nobelpreisträger Fo, „rückt immer näher.“

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