Medien : Einstein, Irrenhaus und die Bombe

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Mitten im Einstein-Jahr wird nun nachdrücklich der Atombombe gedacht. Vor hundert Jahren erschuf Einstein die Relativitätstheorie, vor fünfzig Jahren verbrannten Hiroshima und Nagasaki im atomaren Feuer. Das Radio sammelt künstlerische Reflexe auf diese Geschichte zwischen Triumph und Tragik. Am Anfang der Hörspielreihe „E=mc“ im Deutschlandradio steht ein eher heiteres Werk. In „Einstein Weinstein Wittgenstein" lässt der Finne Mauri Numminen die Jahrhundertgrößen Einstein und Wittgenstein auf einen Mann namens Weinstein treffen.

Handlungsort ist der hohe Norden Europas, eine Nacht in Lappland, es wird viel Wein getrunken. Die drei Herren debattieren über die Relativität aller Dinge. Numminen hat sein Hörspiel auf Deutsch geschrieben, obwohl er diese Sprache nur eingeschränkt beherrscht. Ein kauziger Slang ist die amüsante Folge (Deutschlandradio Kultur, 3. August, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Nostalgiker werden die Hörspielinszenierung der „Physiker“ aus den frühen Sechzigern mögen. Autor Friedrich Dürrenmatt schickt Einstein, Newton und einen Nachwuchswissenschaftler namens Möbius in eine Schweizer Nervenheilanstalt. Der Kalte Krieg und die Atombombe bilden den Hintergrund seiner schwarzen Komödie. Physik und Politik sind gleichermaßen verrückt und gefährlich geworden. Einziger Ausweg bleibt der freiwillige Rückzug ins Irrenhaus (Deutschlandradio Kultur, 6. August, 18 Uhr 05).

Carl Zuckmayers Drama „Das kalte Licht“ galt in den fünziger Jahren als brisant. Damals stand der deutsche Physiker Klaus Fuchs vor Gericht, weil er das Geheimnis der Atombombe an die Russen weitergegeben hatte. War es Verrat am Westen oder eine moralische Heldentat? Auch die Russen bauten nun die Bombe, und dadurch verlor sie ihre strategische Bedeutung. Der Krieg der Supermächte blieb kalt. Zuckmayer stellt seine Hauptfigur, einen jungen Physiker, zwischen die Fronten von Moral, Politik und Wissenschaft. (Deutschlandradio Kultur, 7. August, 18 Uhr 30).

Autorin Margit Miosga ist nach Japan gefahren. Im Feature „Gäbe es eine Operation“ beschreibt sie die faszinierend bunte Gegenwart des Landes, aber eigentlich will sie nach den Spuren der atomaren Unglücksgeschichte suchen. Miosga spricht mit Überlebenden und besucht die offiziellen Gedenkstätten. Überall spürt sie die Narben des Schreckens, trotzdem scheint es ihr, als habe sich das fortschrittsgläubige Japan für eine kollektive Narkose entschieden (Kulturradio, 3. August, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Das Tagebuch des japanischen Arztes Michihiko Hachiya steht im Mittelpunkt eines Features von Astrid Nettling. Doktor Hachiya war Augenzeuge des Atombombenabwurfs, seine Klinik stand nur wenige Kilometer vom Zentrum der Explosion entfernt. Der Titel des Features ist ein Zitat aus seinen Aufzeichnungen: „In Richtung Hiroshima-Bahnhof konnte man den schwarzen Regen fallen sehen.“Kontrastiert wird hier Zeitzeugenschaft mit den Meinungen der Gelehrten. Was denken die Historiker 60 Jahre nach dem ungeheuerlichen Ereignis? (Deutschlandfunk, 5. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7MHz).

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