Medien : Eiskalt erwischt

Thomas Eckert

Aller Anfang ist schwer. Sehen wir also darüber hinweg, dass der Autor Jean Boué im Eifer des Gefechtes einen seiner Protagonisten zweimal dasselbe sagen ließ: eiskalt erwischt, könnte man sagen. Boué zeigt uns, was Menschen machen, denen sonst nicht mehr viel im Leben geblieben ist. Die Eisbader aus Brandenburg oder sonstwo im Osten der Republik sind in der Hauptsache entweder arbeitslos oder so alt, dass sie freiwillig ins kalte Wasser gehen. Warum sie das tun, und worin denn nun der Spaß besteht, das erfahren wir nicht. Dafür wissen wir jetzt, dass der ganze Spaß eine reine Ost-Erfindung ist, schon vor der Wende ins Leben gerufen. Der Staat hatte nichts dagegen. Das kann man verstehen. Die Damen und Herren, die das kalte Wasser so sehr lieben, dass sie gleich einen Verein gründen mussten, kostümieren sich wie kleine Kinder und finden ihr größtes Vergnügen darin, einmal im Jahr mit Tschingderassa durch einen kleinen Ort namens Ferchland marschieren zu dürfen, um schließlich in einen eiskalten Badesee zu hüpfen. Ein harmloses Vergnügen. Kalt ist es, die Menschen sind nackt – aber glücklich? Boué ironisiert in seinem Kommentar den Versuch einsamer Menschen, ausgerechnet im Eiskalten wenigstens etwas Wärme zu finden. Hilflos scheint er dem Traurigen ausgeliefert. Aber seine Gefühle zeigt er nicht. Dabei könnten es die Eisbader aus dem Osten so gut gebrauchen: Mitgefühl.

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