Medien : Ekelfleisch statt Terrorangst

Radio Energy 103,4 und seine Talksendung „911“

Annette Kögel

Die Hörer können ihren Ohren trauen. Der Radiosender Energy 103,4 hat tatsächlich eine Sendung mit dem Namen „911“ im Programm. Ausgesprochen heißt die Show „Nine Eleven“ – so wie die Amerikaner den denkwürdigen 11. September aussprechen. Provokation? Berechnung? Gedankenlosigkeit?

Nach Auskunft der Energy-Deutschland-Pressesprecherin nichts von alledem. „Wir haben den Titel einzig nach der Sendezeit gewählt“, sagt Eva-Maria Sahm. Die interaktive Talkshow läuft montags bis donnerstags von 9 bis 11 Uhr am Abend. Und weil Energy ohnehin ein sehr von der englischen Sprache geprägter Sender sei, habe es auf der Hand gelegen, die seit Frühsommer laufende Sendung ebenfalls anglizistisch zu betiteln. „Das ist eine ganz friedliche Talkshow“, sagt Sahm.

„Gott sei Dank ist es nur eine Talkshow“, heißt es auf der Website, wobei die Sendung mit ihren nicht immer ganz ernst gemeinten Comedy-Elementen durchaus erfolgreich ist. Dem Moderatorentrio Johannes Sassenroth, Daniel Melcer und Philipp Kleininger gelingt es, das Publikum zum Zuhören und Mitreden zu bringen. Gerade ging es um Gammelfleisch, da sollten Hörer von ihren ekeligsten Speiseerlebnissen berichteten: „Hallo, wer ist live in der Show“? Eine Berlinerin berichtete von einer Hühnerkralle im Döner, die schließlich eine Taube wegpickte („Das nennt man Nahrungskette“). Laura aus München erzählte vom halbentwickelten Küken im Frühstückseierbecher („Mit diesem Ü-Ei hättest du auf jeder Sammlerbörse Höchspreise erzielt“).

Reaktionen aus der Hörerschaft auf den doppeldeutigen Talk-Titel habe es jedenfalls noch nicht gegeben, sagt die Energy-Sprecherin. „Es gibt doch auch einen Porsche 911.“ Der war allerdings schon vorher da. Ebenso wie die amerikanische Notrufnummer 911 – „nine one one“.

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