EM 2016 nach dem Polen-Spiel : Hysterie, Endzeitstimmung und Coach-Cam

Sportlich ist nach dem Unentschieden beim EM-Spiel gegen Polen alles offen, doch medial scheint die Stimmung zu kippen - vom Sensations- zum Katastrophenmodus. Zwei Drittel aller TV-Zuschauer schalteten das Match ein, Coach-Cam und Taktik-Kamera nicht eingerechnet.

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Aus Sorge vor Coach-Cam und Lippenlesern: Bundestrainer Jogi Löw (rechts) und Assistent Marcus Sorg sprechen hinter vorgehaltener Hand.
Aus Sorge vor Coach-Cam und Lippenlesern: Bundestrainer Jogi Löw (rechts) und Assistent Marcus Sorg sprechen hinter vorgehaltener...Foto: imago/ActionPictures

Zurück zum Sport, das war wohl der wichtigste Satz der beiden Studio-Olis – Oliver Welke und Oliver Kahn, bevor sie am Donnerstagabend zum Reporter-Oli Oliver Schmidt umschalteten – an dessen Leistung erneut nichts herumzukritteln war. Nach dem Spiel Deutschland-Polen wurde wieder umgeschaltet, diesmal jedoch die Grundstimmung – vom Sensations- auf den Katastrophen-Modus, der das mögliche Ausscheiden der Deutschen nach der Gruppenphase beinhaltetet.

Dabei könnte zunächst festgehalten werden: Der Ausgang des Spiels lässt alle Optionen offen. Zudem gab es keinerlei unschöne Szenen, weder bei der Begegnung selbst noch am Rande. Das Hochrisikospiel, zu dem mehrere hundert Hooligans aus beiden Ländern angereist waren, blieb friedlich. Die Coach-Cam zeigte ebenfalls keine unappetitlichen Szenen vor und auf der deutschen Trainerbank. Eine tolle Technik übrigens, die per App nicht nur auf dem Tablet funktioniert. Mit Smart-TV und Streamingstick lassen sich die Trainer-Bilder beziehungsweise die Taktik-Kamera oder die Spidercam sogar auf den großen Bildschirm schicken. Dort sieht man die Trainer jeweils in einem eigenen Fenster, während das Spiel in einem weiteren Fenster eingeblendet wird – allerdings unplugged ohne die Kommentierung des Reporters (bei Schmidt äußerst bedauerlich). Auffällig jedenfalls war beim Spiel Deutschland gegen Polen, dass Jogi Löw im Vergleich zu Adam Nawalka bis auf wenige Ausnahmen zwar angespannt, aber sonst deutlich gefasster blieb.

Zurück zum Sport

Ob auch Fußball-Deutschland die Fassung bewahrt, bevor es am Dienstag zum letzten Gruppenspiel gegen Nordirland kommt, ist eher unwahrscheinlich. „Bild“ und Ballack sprechen der deutschen Mannschaft bereits den Charakter ab, die Hysterie hat nun fünf Tage lang Zeit sich aufzutürmen. Bis es dann wieder heißt: Zurück zum Sport.

Das Interesse der Fernsehzuschauer an der Euro 2016 wird indes immer größer. 27,32 Millionen Fans verfolgten die Partie am Donnerstagabend, das waren 73,3 Prozent aller TV-Zuschauer. Die Begegnung gegen die Ukraine hatte bereits 26,57 Millionen (Marktanteil von 68,5 Prozent) vor die Fernseher gelockt.

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Zehntausende verfolgen Nullnummer gegen Polen in Berlin
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