EM-Halbfinale GERFRA : The Sound of Silence

Viele Menschen erlebten das Halbfinale Deutschland gegen Frankreich beim Public Viewing. Egal, ob beim Griechen oder vor dem Brandenburger Tor: Niederlagen sind eine stille Angelegenheit. Der Quote hat's nicht geschadet.

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Die Stille nach dem Schuss. Fans schauen beim Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg nach dem 0:1 für Frankreich beim Halbfinalspiel wischen Deutschland und Frankreich auf die Leinwand.
Die Stille nach dem Schuss. Fans schauen beim Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg nach dem 0:1 für Frankreich beim...Foto: dpa

Das Public Viewing beim Griechen in Charlottenburg ist inzwischen eine kleine Tradition. Zwei große Flachbildfernseher und mehrere leistungsfähige Funklautsprecher garantieren, dass alle Gäste gut sehen und hören können. Jene Gäste, die bereits bei der WM vor zwei Jahren oder bei anderen Spielen dieser Euro bei angenehmen Temperaturen das Fußball-Ereignis hier erlebt haben, wissen zudem von einer weiteren Besonderheit. Im Restaurant schräg gegenüber findet ebenfalls ein Public Viewing statt, allerdings fallen dort die Tore immer exakt sieben Sekunden früher. Entweder, weil dort nicht der HD-Kanal gewählt wurde, oder weil der Übertragungsweg aus einem anderen Grund schneller ist. Aber egal, warum, beim Griechen kann man sich immer rechtzeitig darauf einstellen, dass gleich etwas wichtiges passiert.

Beim Halbfinalspiel Deutschland gegen Frankreich war dieses Frühwarnsystem jedoch gestört. Nicht etwa, weil die Tore nun in beiden Restaurants zeitgleich fielen, sondern weil das falsche Team sie geschossen hat. Die wenigen guten Chancen der Deutschen fanden nach wie vor ihren vernehmlichen akustischen Nachklang, doch davon gab es bekanntlich viel zu wenige. Und zu einen erfolgreichen Abschluss kam es schon gar nicht.

Schockstarre nach dem Endergebnis

Anders bei den Franzosen. Als Antoine Griezmann zum Elfer Anlauf nahm, hielten alle zuerst den Atem an. Nachdem er Manuel Neuer bezwungen hat, verstummte das Publikum, nur der Jubel der Franzosen und die Stimme von Béla Réthy waren aus den Funklautsprechern zu hören. Beim 0:2 war es nicht anders. Was fürs Public Viewing beim Griechen galt, war vorm Brandenburger Tor kaum anders. Ungläubige Stille folgte auf die Elfmeterentscheidung und das erste Tor der Franzosen, Schockstarre auf das Endergebnis. Niederlagen sind offenbar selbst in der Gemeinschaft des Public Viewing eine stille Angelegenheit.

Auch ohne Einzug ins Finale erzielte das Spiel in Marseille einen neuen EM-Einschaltquoten-Rekord: 29,82 Millionen Zuschauer verfolgten die Übertragung, noch etwas mehr als beim deutschen EM-Halbfinalsieg 2008 gegen die Türkei mit 29,46 Millionen. Der Marktanteil war damals jedoch mit 81,5 Prozent sogar etwas höher als beim Donnerstagsspiel mit 80,6 Prozent.

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