Medien : Ende einer Legende?

Nannen-Schule soll Hamburg Media School angegliedert werden

Barbara Nolte

Die Hamburger Henri-Nannen-Schule verliert womöglich ihre Eigenständigkeit. Bei Gruner + Jahr, dem Träger der Schule, wird erwogen, die Ausbildung Ende 2005 oder Anfang 2006 in einen Masterstudiengang umzuwandeln und der Hamburg Media School anzugliedern. Die Schule wäre sozusagen die Mitgift von Gruner + Jahr für das Prestigeprojekt Hamburg Media School, bei dem Gruner + Jahr neben den anderen großen Hamburger Verlagen wie Springer oder Bauer im Förderkreis sitzt. Die neu gegründete Hochschule beginnt ihr Lehrangebot am 4. November mit dem Masterstudiengang Medienmanagement. Im kommenden Jahr kann man dort auch unter Leitung von Hark Bohm Film studieren.

Noch werden mehrere Kooperationsmodelle zwischen Journalistenschule und Media School diskutiert. Bei einigen „würde sich der Lehrplan so sehr ändern, dass es die Schule, wie es sie bisher gibt, ins Herz trifft“, sagt die Schulleiterin Ingrid Kolb. Anders als bisher bräuchten Henri-Nannen-Schüler künftig ein abgeschlossenes Studium, sie müssten wahrscheinlich auch Studiengebühren zahlen, was wiederum durch die Vergabe zahlreicher Stipendien abgemildert würde. In jedem Fall aber würde der anti-akademische Geist, aus dem heraus die Schule gegründet wurde, verloren gehen. „In den 16 Jahren, in denen ich die Schule leitete, ist niemals ein Professor über die Schwelle unserer Schule getreten. Und ich weiß auch, warum“, sagt der frühere Schulleiter Wolf Schneider dem Tagesspiegel. Ein Gruner + Jahr-Chefredakteur soll den Vorstandsvorsitzenden des Hamburger Verlags, Bernd Kundrun, in einem Brief gewarnt haben, dass Gruner + Jahr das Pfund, das die Schule darstelle, nicht aus der Hand geben dürfe.

Gruner + Jahr-Sprecher Kurt Otto bestätigt, dass es „in der Diskussion“ sei, an der Hamburg Media School „einen journalistischen Ausbildungszweig aufzubauen. In diesem Zusammenhang wurde angeregt, über die Henri-Nannen-Schule als Nukleus für ein zukünftiges journalistisches Ausbildungskonzept zu diskutieren. Zusagen hierzu sind von Seiten Gruner + Jahrs nicht getroffen.“ Die Entscheidung soll im nächsten halben Jahr fallen.

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