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Ende einer TV-Ära : Aus, aus, aus, der Raab geht nach Haus

Stefan Raab verabschiedet sich mit einem Triumph bei "Schlag den Raab" vom Fernsehen. ProSieben weint, mancher "SdR"-Fan fühlt sich betrogen.

Joachim Huber
"Schlag den Raab", letzte Ausgabe. Auch dieses Mal geht Raab als Sieger vom Platz.
"Schlag den Raab", letzte Ausgabe. Auch dieses Mal geht Raab als Sieger vom Platz.Foto: obs

Stefan Raab geht wirklich. Wer geglaubt hatte, der Entertainer spiele nur Rücktritt, der sah sich am Sonntagmorgen kurz vor zwei Uhr nach dem für Raab siegreichen Ende von "Schlag den Raab" getäuscht. "Machen Sie's gut, vielen Dank, ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß“, sagte der 49-Jährige. Kurz und trocken, anders noch beim Finale von "TV total" am Mittwoch, als der gelernte Metzger ein paar Tränen wegdrücken musste.

Einer, der an den "Raabschied" am allerwenigsten glauben wollte, war und ist ProSieben-Geschäftsführer Wolfgang Link. Bei der Ankündigung im Juni, am Mittwoch und jetzt am Sonntagmorgen lobte und pries der TV-Manager Stefan Raab mit devoter Peinlichkeit: "'Mit 'Schlag den Raab' hat Stefan Raab die beste TV-Show Deutschlands erschaffen. 'Schlag den Raab' ist einzigartig - so einzigartig wie Stefan Raab."

Mit dieser Show ende eine Ära im deutschen Fernsehen - und Stefan Raabs TV-Karriere. In der Show kämen alle Eigenschaften Stefans zur Geltung, die ihn zum größten Entertainer Deutschlands gemacht hätten: Sein Ehrgeiz, seine Willenskraft, seine Vielseitigkeit, aber vor allem: Sein absoluter Mangel an Eitelkeit der eigenen Person gegenüber." Links letzter Dankes-Looping: "Danke Stefan und danke an das 'TV total'- und 'Schlag den Raab'-Team für 16 großartige Fernsehjahre auf ProSieben." Sollte Raab vom Rücktritt zurücktreten, hat ProSieben den dicksten aller Roten Teppiche schon ausgerollt.

Dem Sender bescherte die letzte Show mit 3,89 Millionen Zuschauern eine überdurchschnittliche Einschaltquote, nachdem sonst meist nur um die zweieinhalb Millionen dabei gewesen waren, wenn Raab stundenlang kämpfte. In der begehrten Privatsender-Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag Raabs Finalshow mit 29,8 Prozent Marktanteil zur besten Sendezeit weit vor allen anderen Sendungen. Auch das zeigte, was für einen Verlust Raabs Abschied nicht nur für ProSieben, sondern für das gesamte deutsche Unterhaltungsfernsehen bedeutet.

Schon auf der Bühne hatte es am frühen Sonntagmorgen einen goldenen Konfettiregen, ein Spalier stehendes Produktionsteam und großen Applaus von den Studiorängen gegeben. Lange winkte und lachte Raab in die Kameras, um sich nach 20 Jahren TV-Präsenz und 16 Jahren ProSieben endgültig mit der 55. und letzten Ausgabe seines Spektakels „Schlag den Raab“ von seinen Fans zu verabschieden. Zum Finale hatte sich der „Raabinator“ noch eine kleine Überraschung ausgedacht. Er griff zum Mikrofon und sang Whitney Houstons Hit „One Moment in Time“, der sonst immer für die siegreichen Kandidaten eingespielt wurde, und eine Rock'n'Roll-Einlage mit weihnachtlichem Rentiergeweih auf dem Kopf. Raab ging mit Musik und Gesang, womit er ein weiteres seiner Talente zeigen konnte.

Da waren die doch quälend langen, von diversen Werbepausen unterbrochenen Spiele vergessen und vergeben. in denen Raab dieses Mal nicht gegen einen Herausforderer antrat, sondern gegen insgesamt 15 Mitspieler aus dem Studiopublikum. Fünf von ihnen gingen mit 100 000 Euro nach Hause und einer, der 24-jährige Hendrik, sogar mit einer Million Euro. Der Jackpot hatte bei 1,5 Millionen Euro gelegen. Allen Gewinnern sei ihr Weihnachtsgeld gegönnt, für den echten "SdR"-Fan war die Änderung des Spiels und seiner Regeln eine Enttäuschung. Im Netz wird schon "Betrug" gesprochen. Die Faszination der Spiels lag im Duell zwischen Raab und einem Nobody. Der Zuschauer konnte mitfiebern, Hassgefühle für und gegen entwickeln, mentale Unterstützung anbieten, fast jeder der 54 Sendungen bot echten Thrill. Die Schlussnummer aber nicht. Raab kann nicht den Abend gewinnen, sein Herausforderer kann ihn nicht besiegen. Es gibt 15 Spiele, das ist "SdR"-Mikado und nicht die faszinierende Challenge wie gewohnt. Und beim Finale der sechs Sieger-Kandidaten ist Raab gar nicht von der Partie. "Schlag den Raab" dementiert sich mit dem Seid-nett-zueinander-Faktor. Wenn Gladiatoren kuscheln, wird "Wetten, dass..?" draus.

Raab wechselt in die Kommentatorenkabine


Zu den stärksten Momenten der Abschiedsgala gehörte Raabs dringender Wunsch, einmal in der Kommentatorenkabine zu sitzen, von der aus sich sonst immer Sportreporter Frank Buschmann mit kernigen Bemerkungen über ihn lustig machte. Raab drehte am Samstag den Spieß um, setzte sich ans Mikrofon und schickte „Buschi“ nach unten auf die Bühne - zum Dosenschießen mit einem Fußball. Ein Leckerbissen für Raab: „Er pumpt wie ein Maikäfer“, höhnte er über Buschmann, dem kein Treffer gelang. „Dem haben sie die Beine falsch eingehängt.“ Und: „Am Ende kackt die Ente.“ Der Sportkommentator war fertig mit der Welt und froh, dass er danach wieder auf den Reporterplatz zurück darf.

Wieder nennt Raab keine Gründe für den Abschied

Über die Gründe seines Rücktritts hat Raab in der Öffentlichkeit bisher geschwiegen. Auch am Samstag zeigte er keine Bereitschaft, der TV-Nation etwas über seine Motive zu verraten. Er habe sich häufig gefreut mit den Kandidaten, er habe aber auch oft gelitten, meinte Raab. Das war es dann. Er wirkte beim großen Finale zwar etwas lockerer als sonst, dennoch war er bei jedem Spiel, ob es nun Schätzrunden oder Kart-Wettbewerbe sind, mit Feuereifer bei der Sache: Immer wieder zu hören waren seine urigen Laute wie „Nnnng“ oder „Jiaaa“, die wohl aus dem Fernsehen verschwinden werden.


Mit Raab geht einer meistbeschäftigten und eigenwilligsten Unterhalter im deutschen Fernsehen. Derzeit ist niemand in Sicht, der dem Multimillionär mit seinem Ideenreichtum, seinen Talenten, seiner Leidenschaft und Einsatzbereitschaft das Wasser reichen kann. Vor allem ProSieben muss sich auf neue Bedingungen einstellen: Joko & Klaas, Lena Gercke, Jeannine Michaelsen und Palina Rojinski sollen helfen, die Riesenlücke zu schließen. Raab vergessen machen werden sie aber nicht können.. (mit dpa)





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