Medien : Ende einer Zweier-Beziehung

Der RBB setzt „Leute am Donnerstag“ ab / Moderatoren sollen weiterarbeiten

Joachim Huber

Wer jetzt noch die „Leute am Donnerstag“ kennen lernen möchte, der sollte sich beeilen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird den Fernseh-Talk Ende März beenden. Die Sendung wird ein Jahr nach ihrem Start abgesetzt. Die Begründung des RBB: „,Leute am Donnerstag’ hat leider die für eine Unterhaltungssendung zwingende Vorgabe des Zuschauererfolgs nicht erreicht.“ Mit Moderator Jörg Thadeusz sucht die Fernsehdirektion konkret die weitere Zusammenarbeit, mit Moderatorin Ulla Kock am Brink auch.

„Leute am Donnerstag“, das sollte für das neue Fernsehprogramm der neuen ARD-Anstalt ein Aushängeschild, ein Imagefaktor werden. Neu und gut und auffällig in einem Fernsehangebot, das ansonsten die für die ARD-Dritten übliche Regionalkost bietet. „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ vorneweg, dann Sport, Kultur, Gesundheit, Tiere, Tiere, Tiere, nichts Aufsehenerregendes. Das RBB-Fernsehen will keinem weh tun und möglichst vielen wohl tun, wie auch anders. Fernsehdirektor Gabriel Heim ist ein freundlicher Mensch.

Berlin, Hauptstadt, RBB: Da sollte neben dem Kulturtalk „Im Palais“ für die gebildeten Stände einer dieser berühmten „Leuchttürme“ aufgestellt werden: „Leute am Donnerstag“. Wenn sich Lob und Tadel am RBB-Fernsehen entzünden, dann in der Regel an dieser aufwendig produzierten, journalistisch gemeinten Talksendung, in der sich vier oder fünf Gäste zu einem Thema äußern. Die Messlatte sollen mehr als 100 000 Zuschauer sein. Mehr als einmal wurde die Latte gerissen, im Schnitt liegt „Leute am Donnerstag“ drunter; das gilt für andere RBB-Sendungen übrigens auch. Ein internes Programm-Controlling nennt auf der Grundlage wiederholter Zuschauerbefragung die Gründe für den grenzwertigen Talk-Erfolg: „,Leute am Donnerstag’ erhält für eine programmprägende Unterhaltungssendung einen eher unauffälligen Unterhaltungswert“; keines der beiden Sendungs-Ziele „zur Prominenz bzw. zur Regionalität der Gäste wird auf einem hohen Niveau erreicht bzw. ragt heraus“; „Begrenzt ist der (private) Gesprächswert der Sendung für die Zuschauer und der Transport eines Hauptstadtgefühls“.

Auf der Soll-/Haben-Rechnung zu Ulla Kock am Brink und Jörg Thadeusz heißt es: „Die Ziele für das Moderatorenteam werden nicht gut erreicht.“ Zusammenfassend ließen sich zwei der wesentlichsten Kritikpunkte „auf die Einladungspolitik und die Gesprächsführung der Moderatoren zuspitzen“. Was die Zuschauer sagen, sagen auch, wenngleich nicht so scharf, die Kolleginnen und Kollegen im Sender, wie eine weitere, interne Befragung ergeben hat.

Mit dem Ende von „Leute am Donnerstag“ wird der RBB das große Talkformat aufgeben, nicht aber das Format Talk. Möglicherweise kann Jörg Thadeusz bereits von Mai an einer neuen Sendung vorsitzen. Was schon eine Überraschung wäre, da er beim Publikum schwächer bewertet wurde als Ulla Kock am Brink. Thadeusz soll dem RBB, Fernsehen wie Radio Eins, unbedingt erhalten bleiben, selbst wenn der Journalist im Sender und während der Sendung seine Unlust an „Leute am Donnerstag“ zu erkennen gegeben hat. Thadeusz hat, anders als Kock am Brink, einen Zweijahresvertrag, er hat einen eisenharten Berater; beides zusammen ergibt die RBB-Offerte einer neuen Sendung, offenbar wird dafür ein Talk- zum Interviewformat umgeschnitten, das mal für Eva Hermann gedacht war, wenn die „Tagesschau“-Sprecherin ihre Ankündigung wahrgemacht hätte und bei der NDR-Talkshow „Hermann & Tietjen“ ausgestiegen wäre.

Mit Ulla Kock am Brink „ist der RBB im Gespräch über ein Unterhaltungsformat“. Über welches, das ist allen Beteiligten ein Rätsel. Der Sender sieht sich erkennbar in der Zwickmühle. Beide „Leute“-Moderatoren kommen beim Publikum nicht sonderlich gut an, Kock am Brink immerhin noch besser. An Thadeusz kann/will/muss der Sender festhalten. Dann darf er Kock am Brink, die beim Publikum leicht vorne liegt, nicht vor die Türe setzen. RBB-Hilfsargument: „Die interne Bewertung der Sendung zeigt bei den Moderatoren eine positive Bilanz.“ Im internen Controlling-Bericht steht davon nichts, sondern: „Moderatorenpaar wird eher skeptisch beurteilt.“ Gute Unterhaltung!

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