Ende mit Schrecken : Zuschauer, abhängig, sucht ...

... neues Serienglück, denn „Dr. House“ ist beendet und „CSI: Miami“ im Finale. Es gibt Alternativen wie "Breaking Bad", aber da sind immer diese schrecklichen Staffel-Pausen. Alles Glück will Permanenz.

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Na gut, danach ist Weihnachten. Kann man drüber nachdenken, was werden soll: am Dienstag, dem Tag, der dem Zuschauerleben bislang Halt und Struktur gab. Bis zum 4. Dezember, bis zum 18. Dezember. An jenem Dienstag endete „Dr. House“, heute endet „CSI: Miami“. Zwischen „House“ und „CSI“ gibt es keine thematische Verbindung, es existierte – und überzeugte – ein formaler Konnex. Beide US-Serien sind innovatives Fernsehen. „Dr. House“, das ist der Aufbruch der Arzt- und Krankenhausserie hinaus ins Freie, die Erlösung von all dem Kitsch in Mull. „CSI: Miami“ ist die Vollendung, wenn auch nicht der Ursprung der durchtechnisierten „Crime Scene Investigation“. Die Untersuchung-am-Tatort-Serie ist ein Ableger von „CSI: Den Tätern auf der Spur“. Miami war schnell erfolgreicher als Las Vegas, erst in den USA, dann im Weltfernsehen.

„CSI: Miami“ fasziniert von der ersten Sekunde an, wie auch anders bei dem scharfen Intro. Getrieben von dem gewaltigen, sinnstiftenden Song der „Who“, „Won’t get fooled again“, machen sich Lieutenant Horatio Caine und seine Crew an die Arbeit. Natürlich, das sind Dramen nach dem Schema F: Mord – Fahndung – Aufklärung. Nur minimal variiert und doch in der televisionären Aufklärungsarbeit eine Revolution. Eine quicklebendige Kamera fährt in alle Kriminaltechnik, verfolgt die Kugel auf ihrem todbringenden Weg im Körper. Blitzen, Blinken, ein Schnittfeuerwerk, die toten Dinge bekommen ein Eigenleben, das bisher Unsichtbare eigene Dramaturgie und Qualität. Dann der Look: „CSI: Miami“ ist die Fortsetzung von „Miami Vice“, überreizte Spektralfarben von einem Schliff, der Floridas Glitzermetropole leuchten lässt. Sehnsuchtsort Miami, bevölkert von vielen attraktiven Menschen (und eigentlich gedreht in Kalifornien), wo CSI-Mitarbeiterinnen wie Calleigh (Emily Procter) oder Natalia (Eva La Rue) nur bestens frisiert, frisch geschminkt und auf High Heels an den Tatort stöckeln. Der Mann mit der Feuerlocke wird ins Bild gekantet, setzt seine Sonnenbrille auf oder ab und spricht seine Prophezeiung aus, den Mörder zu fassen. Das Ritual ist bestätigt, die Erwartung wird befriedigt.

Werbepause. Auftritt „Dr. House“. Wieder so ein Bilderbuch-Vorspann, eine Musikouvertüre, die das Spillrige der Krankenhauskorridore im Princeton Plainsboro annonciert. Der Diagnostiker Gregory House ist das Gegenteil von allem, also Menschenfeind bis Menschenschinder, seine Fälle sind so komplex, dass der gemeine Zuschauer sich umso mehr auf die Binnenspannung und die Binnenverhältnisse – House zu Cuddy, House zu Wilson – konzentrieren kann.

Es muss zugestanden werden, dass nicht alle 177 Episoden von „House“, nicht jede der 232 Folgen von „CSI: Miami“ begeistern. Bei „CSI“ überragt das Grundgerüst zuweilen die einzelne Konstruktion, manches Geständnis kommt wie Kai aus der Kiste, die Serie legt mehr Wert auf Körper- denn Darstellerkultur; egal, die Faszination aus dem Prä der Schauwerte ist so groß wie die Faszination aus dem Geist der Irritation bei „House“.

Wer bietet jetzt Heimat für den herumirrenden Serienzuschauer? Wo ist das süße Gift? Selbstredend schwirrt erstklassiges Material durchs Medium. Bei Sky ist das „Boardwalk Empire“, bei Arte „Breaking Bad“, anderswo laufen die Unikate „Mad Men“ oder „Gefährliche Seilschaften“. Aber überall gibt es Pausen, Unterbrechungen zwischen den Staffeln.

Zuschauerglück will Berechenbarkeit. RTL hat dem Rechnung getragen. Zwar mit dem Unterpfand, dass „House“ und „CSI“ auf die Streckbank einer irritierenden Wiederholungs-Politik und einer nicht immer segensreichen Folgenvermischung gelegt wurden, doch mit dem Zugewinn, dass der Dienstag eine feste Größe war: 20 Uhr 15 „CSI: Miami“ über zehn Staffeln, 21 Uhr 15 „Dr. House“ über acht Staffeln.

So ein Dienstag kommt erst einmal nicht wieder. Erst am 29. Januar starten die neuen „Dallas“-Folgen bei RTL. Davor Schmerzen, und wenn es Phantomschmerzen sind. Von keinem „CSI“- und „House“-Feinzüngler kann verlangt werden, dass er sich am Dienstag im Ersten „In aller Freundschaft“ gibt. Dieses Langsam-und-schlicht-Fernsehen sucht beispielsweise mit Maren Gilzer zu überzeugen, die als Schwester Yvonne Habermann mit eingeschraubtem Lächeln Bettwäsche von Station A nach Station B trägt. Maren wer? Genau die Maren Gilzer, die beim „Glücksrad“ die Buchstaben gedreht hat. Bis ein Berliner kam und das System des Suchens und Findens von Binsenweisheiten auf die Füße stellte: „Der Zwerg reinigt die Kittel.“ Das hätte auch „House“ sagen können. Aber wie! Aber wann! Aber wem!

„CSI: Miami“, Doppelfolge, 20 Uhr 15, RTL

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