Medien : Engel in Schwarz

Anneke Kim Sarnau und Friedrich von Thun im bewegenden ZDF-Film „Der falsche Tod“

Thilo Wydra

Ein Mensch ist todkrank. Er hat nur noch Schmerzen. Er leidet. Hoffnung gibt es keine mehr. Jeder behandelnde Arzt befindet sich da im Zwiespalt, was für den Patienten am besten ist. Bis zum letzten Atemzug ausharren, an Apparate und Schläuche anschließen, künstlich über Magensonden ernähren. Womöglich entgegen dem Willen des Patienten? Oder aber „nachhelfen“, die Spritze setzen? Worte wie „Patientenverfügung“ und „aktive Sterbehilfe“ gehen ab und an durch die Medien. Nur in der Schweiz ist es längst legal, einem Sterbenden aktiv beim Sterben zu helfen. Gibt es also einen richtigen Weg, mit Sterbenden umzugehen? Gibt es einen richtigen Tod?

Der herausragende Fernsehfilm „Der falsche Tod“ behandelt diese äußerst heikle und sensible Thematik. Inszeniert hat ihn Martin Eigler, das Drehbuch verfasste er zusammen mit Sönke Lars Neuwöhner. Schon öfter haben sie zusammengearbeitet, etwa bei verschiedenen „Tatorten“. Die Geschichte ist rasch erzählt: Die junge Ärztin Jenny Fehse (Anneke Kim Sarnau) fährt zu ihrem Vater von Hamburg aufs Land, irgendwo an der Nordsee. Auch ihr Vater, Hinrich Fehse (Friedrich von Thun) ist Arzt. Er feiert seinen 65. Geburtstag. Doch der Krankenwagen, der Jenny auf der Landstraße überholt, fährt direkt auf das Grundstück der Villa zu – Jennys Vater erlitt einen Herzinfarkt. Statt Geburtstagsfeier Intensivstation. Jenny bietet ihrem Vater an, ihn in seiner Praxis zu vertreten. Und dort begegnet sie Frau Spengler (Eleonore Weisgerber), die seit Jahrzehnten als Arzthelferin arbeitet. Irgendetwas ist mit ihr, eine merkwürdig dunkle Aura umgibt sie. Dann wird Jenny zu einem Patienten gerufen, und sie kann nur noch dessen Tod feststellen. Der einsame Mann war alt, hatte Krebs. Doch woher kommen die Einstiche an seinem Arm? Wer war bei ihm? Was also soll sie nun ankreuzen auf dem Totenschein – „natürlicher Tod“ oder „Todesursache ungeklärt“? Letzteres hat eine Obduktion zur Folge. Als sie ihrem Vater davon erzählt, reagiert dieser verhalten. Es stellt sich heraus, dass Frau Spengler als Letzte bei dem Patienten war. Als der jungen Ärztin klar wird, dass ihr Vater und Frau Spengler, der Todesengel in Schwarz, über Jahre hinweg Sterbehilfe geleistet haben – was sie selbst scharf verurteilt – , bricht sie mit ihm. Zwei unvereinbare Haltungen. Zwei Positionen, die für Kontroversen sorgen, hinter denen eine nicht näher einzuschätzende Dunkelziffer an ungeklärten Todesfällen steht.

Buch und Regie erzählen eine zutiefst berührende Vater-Tochter-Geschichte vor dem Hintergrund der Sterbehilfedebatte, behutsam inszeniert und mit stimmigen Dialogen. Ganz wunderbar Anneke Kim Sarnau und Friedrich von Thun. Die 32-Jährige zählt spätestens seit Strefan Krohmers Krebs-Drama „Ende der Saison“ und Marc Rothemunds „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ zu den Besten des Landes. Und Friedrich von Thun („Die Verbrechen des Professor Capellari“), sonst etwas mehr Komödiant denn Tragöde, ist hier von einer ungeheuren Ernsthaftigkeit, auch Traurigkeit, die bezwingend ist. Ein kleines Fernseh-Juwel. „Der falsche Tod“ zählt zweifelsohne zu den besten deutschen Fernsehfilmen des Jahres 2007, schon jetzt.

„Der falsche Tod“, ZDF, 20 Uhr 15

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