Medien : Enie van de Teletubbies

Frederik Hanssen

. Ob Luciano Pavarotti auch gekommen wäre, hätte er nicht zufällig gerade eine neue CD herausgebracht? Als Quotenzugpferd war er den Machern der „Sunday Night Classics" hochwillkommen – auch wenn der singende Schwergewichtsmeister rein gar nicht ins optische Konzept der neuen ZDF-Sendung passte. Beim Typecasting waren sonst nur Interpreten durchgekommen, die das heimliche Motto der Show perfekt verkörpern: Klassik macht sexy. So lobenswert das Anliegen des Zweiten auch ist, die so genannte E-Musik populärer zu machen, die erste Ausgabe der „Sunday Night Classics" schwankte zwischen Aufbruch und Absturz. Nicht nur wegen der ahnungslosen Moderatoren, Enie van de Meiklokjes im Teletubbie-Look und Marco Schreyl, der prompt auf das Teekesselchen Tenor reinfiel, – alles roch hier nach faulen Kompromissen: Echte Klassik und Crossover, Unterhaltendes und Ernstes, ja selbst schnelle und langsame Nummern schienen nach Quotenschlüssel und Parteienproporz ausgewählt. Popstar Sting outete sich als J.S. Bach-Fan, die Sopranistin Renée Fleming und der Pianist Jean-Yves Thibaudet versuchten sich als Jazzer, die Mädels vom Streichquartett „Bond" zappelten als fiedelnde Spice Girls durchs Bild.

Von der Oma bis zum Teenie fand jeder etwas zum Abschalten. Immerhin sah das Bühnenbild nicht spießig aus, und die ziemlich rasanten Schnitte orientierten sich an der MTV-Ästhetik, ohne Hektik zu verbreiten. Ein paar Minuten lang immerhin funktionierte die Idee: Als die Nachwuchskünstlerinnen Viviane und Nicole Hagner ganz ernsthaft und ganz beseelt Kammermusik machten. Davon bitte mehr!

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