Medien : Entsättigtes Weinrot

Das Studio für das Fernsehduell Schröder – Merkel ist fertig designt

Joachim Huber

Die Bühne für das Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Unionsherausforderin Angela Merkel ist bereitet: Verantwortlich ist wie schon 2002 der TV-Set-Designer Jürgen Schmidt-André. Er sagt, das neue, 550 Quadratmeter große Studio werde „heller, freundlicher und intimer“, als das alte war. Der Grundriss sei wie ein Kreis angelegt, damit „die vermutlich sieben Kameras die vollen 360 Grad zeigen können“. Weder soll es tote Winkel noch irgendwelche störenden Ecken, keine ablenkenden Elemente und – bitte – keinerlei Hinweise auf die vier Sender ARD, ZDF, RTL, Sat 1 geben, die das Duell übertragen, noch auf die Parteien der beiden Politiker. Das Ambiente soll Neutralität ausstrahlen, das gesamte Design allein der vollen Konzentration auf das Frage-und-Antwort-Spiel dienen, sagt Schmidt-André. „Wir haben deswegen für den Boden, auf dem die sechs Pulte stehen, ein entsättigtes Weinrot gewählt.“

Am 4. September um 20 Uhr 30 treffen sich die beiden Politiker in Schmidt-Andrés Werk, das im Studio D in Berlin Adlershof aufgebaut ist. Schröder und Merkel antworten dort auf die Fragen der Moderatoren-Paare Sabine Christiansen (ARD)/Thomas Kausch (Sat 1) und Maybrit Illner (ZDF)/Peter Kloeppel (RTL). Schröder ist der Ort des Duells nicht unbekannt, er hat sich dort am 25. August und am 8. September 2002 mit Edmund Stoiber (CSU) auseinander gesetzt. Wie vor drei Jahren wird es kein Studiopublikum geben, Moderatoren und Politiker sind von den Hundertschaften der Journalisten erneut streng geschieden. Waren die beiden Duelle 2002 jeweils 75 Minuten lang, so wird das Duell 2005 eine Viertelstunde länger dauern. Die Abstände zwischen den farbgleichen Pulten der sitzenden Journalisten und der stehenden Politiker wie auch zwischen Schröder und Merkel würden gegenüber 2002 deutlich reduziert – „auf weniger als drei Meter“, sagt Schmidt-André. Auch hier heißt das Ziel: viel mehr Augenkontakte ermöglichen, eine höhere Intensität. Sowohl in den Moderatorentischen wie in den Stehpulten – die Oberflächen sind aus satiniertem Plexiglas – der beiden Politiker sind Monitore eingelassen, die den Protagonisten neben dem Bild auch die Zeit angeben.

Das preisgünstige Studio, sagt SchmidtAndré, ist eindeutig auf die Bedürfnisse der Kameraführung und der Regie (wie 2002 Volker Weicker) abgestellt. Wegen der Kameradurchblicke und wegen der Furcht, dass ein durchgehender Moderatorentisch „den Eindruck eines Gerichtssaals erwecken würde“, werden zwei Pulte aufgestellt. Was das Gesamtbild der Neutralität noch stören könnte, sagt der Designer, „wäre, wenn einer am 4. September mit knallrotem Jackett kommt“.

ZDF-Moderatorin Maybrit Illner sieht in der Vierer-Konstellation der Moderatoren kein unlösbares Problem: „Wie sagt Brecht so schön: Es geht auch anders, aber so geht es auch! Ein Duell für alle – das ist nicht die schönste Lösung, aber eine mögliche.“ Und dass jetzt der Inszenierungsfaktor bei den Journalisten höher ist als bei den Politikern? „Wer sich gemeinsam vorbereitet, inszeniert sich nicht automatisch“, sagte Illner zum Tagesspiegel. Die Journalisten müssten jetzt zugegebenermaßen mehr kommunizieren, aber am Ende säßen da vier Profis mit ihren genauso professionell arbeitenden Redaktionen. „Wir alle wissen, dass die Haupthelden des Abends auf der anderen Seite des Studios stehen.“

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