Entscheidung : Blutgrätschen sind verboten

Trotzdem wollen die Moderatoren des TV-Duells zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier am Sonntagabend eine echte Auseinandersetzung

Joachim Huber

Nein, es soll keine Kabinettssitzung vor laufender Kamera werden, wenn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Vizekanzler, SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier, im Studio B in Berlin-Adlershof aufeinandertreffen. Es soll am Sonntag ab 20 Uhr 30 ein „TV-Duell“ werden, Betonung auf „Duell“. Die vier Moderatoren der vier beteiligten Sender, Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL), Peter Limbourg (Sat 1) und Frank Plasberg (ARD), wollen jedenfalls nicht bis zur Halbzeit der 90 Minuten warten, ehe sie „Merkel und Steinmeier die Trainingsmasken abzureißen versuchen“, wie sich Plasberg bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag ausdrückte.

Maybrit Illner erwartet weniger „verbale Umarmungen“ als streitbare Kombattanten, es sei schließlich die erste und wahrscheinlich auch die einzige Begegnung der beiden Koalitionäre als Wahlkämpfer. RTL-Chefredakteur Kloeppel, der mit Illner ein Team bilden wird, hofft, dass sich die beiden Politiker aneinander messen, „sich deutlich profilieren wollen“. Immerhin seien 20 bis 30 Prozent der Wähler noch unentschlossen.

ARD-Mann Frank Plasberg ist der einzige Novize in der Journalistenrunde. Illner (44) und Kloeppel (50) nahmen bereits 2002 und 2005 teil, Limbourg (49) 2002. „Hart aber fair“, der Titel seiner Talksendung werde auch das Motto seiner Moderation, sagte Plasberg. „Blutgrätschen“ solle keiner erwarten, die Pubertät habe er hinter sich. Plasberg ist 52. Die 4+2-Runde am Sonntag ist eine Ein-GenerationenVeranstaltung, Steinmeier ist 53, Merkel zwei Jahre älter.

Die Dekoration des „TV-Duells 2009“ wird den Zuschauern bekannt vorkommen. Es lehnt sich eng an das Set von 2005 an, wieder hat es Jürgen Schmidt-André entworfen. Wichtig sei es gewesen, sagte der Designer, dass die Kameras alle sechs Beteiligten im 360-Grad-Modus erfassen können. Regisseur Volker Weicker, er war 2002/2005 schon dabei, dirigiert die neun Kameras: „Wir wollen das Duell dokumentieren, nicht inszenieren. Der Transport der Inhalte steht im Vordergrund.“ Wie bei den bisherigen Austragungen wird auch das TV-Duell 2009 ohne Studiopublikum stattfinden.

Das Duell am Sonntag erhält seine besondere Bedeutung für die Kanzlerfrage dadurch, dass Merkel und Steinmeier nach jetzigem Stand vor dem Wahltag am 27. September nicht wieder miteinander gegeneinander Wahlkampf machen werden. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte, dass die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende für die „Berliner Runde“ der Spitzenkandidaten im Zweiten endgültig abgesagt habe. Für Merkel kommt der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff am 17. September.

ARD-Chefredakteur Thomas Baummann wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass Merkel an der Runde „Die Favoriten“, terminiert für den 21. September im Ersten, teilnehmen werde. „Bislang gibt es weder eine Zu- noch eine Absage.“ Baumann glaubt, dass das Duell diese Frage entscheiden werde.

Die Berater beider Politiker haben sich am Donnerstag vom ordnungsgemäßen Zustand des Duell-Studios überzeugt. Merkel und Steinmeier werden um 19 Uhr 30 in Adlershof erwartet, die Moderatoren wollen gegen 17 Uhr kommen.

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