"Entwürdigend und ehrverletzend" : Presserat rügt "Titanic" wegen Papst-Titel

182 Beschwerden sind zum Papst-Titel der "Titanic" beim Deutschen Presserat eingegangen - so viele, wie zu keiner anderen Veröffentlichung in diesem Jahr. Nun hat das Gremium über die Vorwürfe entschieden. Satire darf demnach doch nicht alles.

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Der Deutsche Presserat hat die Satire-Zeitschrift „Titanic“ wegen ihres Papst-Covers öffentlich gerügt. Die Darstellung eines inkontinenten und mit Fäkalien beschmierten Papstes sei „entwürdigend und ehrverletzend“, urteilte das Gremium am Donnerstag. 182 Beschwerden waren beim Presserat zu diesem Titelbild eingegangen – so viele, wie bisher zu keiner anderen Veröffentlichung in diesem Jahr.
Auf dem Cover ihrer Juli-Ausgabe hatte die „Titanic“ den Papst mit ausgebreiteten Armen und einem Urinfleck im Schritt gezeigt. Dazu schrieb das Satiremagazin, das von Chefredakteur Leo Fischer geführt wird: „Die undichte Stelle ist gefunden“, eine Anspielung auf den sogenannten Vatileaks-Skandal an. Auf der Rückseite des Magazins war Benedikt XVI. mit einem braunen Fleck am Gesäß zu sehen.
Zwar habe Satire die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen „mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie“ darzustellen, erklärte der Presserat: „Im vorliegenden Fall wurde die Grenze der Meinungsfreiheit jedoch überschritten“, lautete das Urteil. Es sei kein Sachbezug zur Rolle des Papstes in der Vatileaks-Affäre zu erkennen. „Die Person Joseph Ratzinger wird von ,Titanic‘ als „undichte Stelle“ tituliert und durch die befleckte Soutane der Lächerlichkeit preis gegeben.“
Der Presserat, der das Selbstkontrollgremium der deutschen Presse ist, zeigt sich damit unbeeindruckt von der Entscheidung des Vatikans, den Verbotsantrag gegen die „Titanic“ zurückzuziehen. Nach der Veröffentlichung im Juli hatte Benedikt XVI. beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung erwirken lassen. Zur Verhandlung über den Widerspruch kam es wegen der Rücknahme des Antrags nicht.
Zuletzt hatte der Presserat die „Titanic“ 2010 wegen eines Cartoons zum Suizid des Fußballtorwarts Robert Enke gerügt. sop/epd

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