Medien : „Er wird nie Kanzler“

Die ARD-Reihe „Duelle“ erinnert an den Kampf zwischen Franz Josef Strauß und Helmut Kohl

Kurt Sagatz

Wer von Duellen und dem CSU-Politiker Franz Josef Strauß hört, denkt vermutlich sehr schnell an den SPD-Ideologen Herbert Wehner. Die Redeschlachten der beiden sind geradezu legendär und wurden in den siebziger Jahren selbst an Deutschlands Schulen analysiert. Bei Helmut Kohl fällt einem als politischer Gegner zuerst Helmut Schmidt ein, den Kohl nach einem konstruktiven Misstrauensvotum 1982 aus dem Kanzleramt in Bonn vertrieb. Ein nicht minder spannendes Duell gab es jedoch zwischen Strauß und Kohl. Dabei ging es um nichts weniger als die Führungsrolle unter den C-Parteien, wie die ARD am heutigen Montagabend in ihrer Reihe „Duelle“ in Erinnerung ruft.

Der WDR-Film von Michael Welch zeigt, wie früh die Rivalität zwischen Strauß und Kohl beginnt. Bereits in den 60er Jahren erkennt der Bayer, dass in Rheinland-Pfalz ein politischer Gegner in den eigenen Reihen erwächst, mit dem zu rechnen sein wird. Dazu sieht der Zuschauer Bilder von einem jungen Helmut Kohl, im Sportblouson auf dem Fahrrad fahrend. Wie Strauß drängte Kohl jung an die Spitze. Strauß gelangte mit 38 Jahren an Adenauers Kabinettstisch, der 15 Jahre jüngere Pfälzer wird als 39-Jähriger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Der eine setzt auf Netzwerke, der andere auf seinen Sachverstand und macht dennoch wie viele andere nach ihm den Fehler, den groß gewachsenen Pfälzer als Provinzler zu belächeln und zu unterschätzen. Zur Eskalation kommt es im Jahr 1976. Es geht um die Kanzlerkandidatur. „Helmut Kohl wird nie Kanzler werden. Er ist total unfähig. Er hat weder die charakterlichen, geistigen noch politischen Voraussetzungen“, poltert Strauß in der eigentlich nicht für die Öffentlichkeit vorgesehenen „Wienerwald“-Rede, die später dem „Spiegel“ zugesteckt und im Film als nachgestellte Szene gezeigt wird. Der Kampf um die Macht eskaliert, Strauß will die CSU auf den Bund ausweiten, die CDU stand vor dem Einmarsch in Bayern, wie sich Wilfried Scharnagl, Ex-Chefredakteur des „Bayernkurier“, an den Krieg zwischen den Schwesterparteien erinnert.

Der Film zeigt das Duell Strauß in allen Facetten. Es kommen die politischen Wegbegleiter von Kohl wie Horst Teltschik und Norbert Blüm ebenso zu Wort wie die Strauß-Begleiter Theo Waigel oder Edmund Stoiber. Vor allem die persönlichen Schilderungen der Strauß-Kinder Monika Hohlmeier und Franz Georg Strauß zeigen, wie sehr den CSU-Politiker viele Demütigungen getroffen haben. Zu einer spannenden zeitgeschichtlichen TV-Dokumentation wird der Film durch das, was Helmut Kohl über sein Verhältnis zu Strauß sagt – „er war ein Mann der lauten Töne, aber politisch kein starker Mann“. Dazu schmunzelt Kohl nur süffisant. Kurt Sagatz

„Duelle – Helmut Kohl gegen Franz Josef Strauß“, ARD, 21 Uhr.

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