Erbstreit : Springer gegen Springer

Hamburger Richter entscheiden heute über das Erbe des Verlagsgründers Axel Springer. Es geht darum, ob Friede Springer, Witwe des Verlagsgründers Axel Springer, weiterhin Mehrheitsaktionärin des Medienkonzerns bleiben darf. Ihr Gegner in diesem Rechtsstreit kommt aus der eigenen Verwandtschaft.

Sonja Pohlmann,Torben Waleczek
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Kämpft um Macht und Millionen: Axel Sven Springer, Enkel des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer. -Foto: ddp

Axel Sven Springer, kurz „Aggi“ genannt, angeblich der Lieblingsenkel des Konzerngründers, sieht sich von Friede Springer und Bernhard Servatius, dem Vertrauten seines Großvaters, um sein Erbe betrogen. Seit Jahren kämpft er um den nach seiner Auffassung rechtmäßigen Anteil.

Mehr als 22 Jahre liegt der entscheidende Tag der Testamentsvollstreckung am 31. Oktober 1985 zurück. „Aggi“, damals erst 19, war von seinem Schweizer Internat alleine nach Berlin gereist. Sechs Wochen zuvor war sein Großvater Axel Springer gestorben, nun sollte sein „letzter Wille“ verkündet werden. Neben „Aggi“ waren seine Schwester Ariane, Springers Kinder Nicolaus Springer und Barbara Choremi sowie Witwe Friede Springer gekommen. Servatius, Testamentsvollstrecker des verstorbenen Verlegers, eröffnete ihnen den Inhalt: Friede sollte demnach 50 Prozent bekommen, Axel Sven 25 und Barbara Choremi die restlichen 25 Prozent der Verlagsanteile, Nicolaus und Ariane sollten leer ausgehen. Aber, so verkündete Servatius, dieses Dokument sei gar nicht der tatsächliche letzte Wille Axel Springers gewesen. Kurz vor seinem Tod habe er sich umentschieden, sei aber zu schwach gewesen, um seinen Willen noch in eine rechtmäßige Form zu bringen. Stattdessen präsentierte Servatius eine Erbenvereinbarung, die seiner Behauptung zufolge dem Wunsch des Verstorbenen entsprach: Friede vermachte er demnach 70 Prozent der Verlagsanteile, Barbara Choremi und Nicolaus Springer je 10 Prozent und „Aggi“ und Ariane je 5 Prozent.

Der junge Axel Sven war mit dieser Situation anscheinend überfordert. Er litt unter den Folgen seiner Entführung wenige Monate zuvor. Sein Vater, Springer-Sohn Axel junior, hatte sich 1980 das Leben genommen. Seine in München lebende Mutter war bei der Testamentsvollstreckung nicht dabei, andere persönliche Berater gab es nicht. „Aggi“ akzeptierte – er vertraute Servatius, der schon mit seinen Entführern verhandelt hatte. Warum sollte ihn sein quasi „Ersatzvater“ betrügen?

Axel Sven Springer sieht sich um seinen Anteil gebracht

Mit ihrer Einverständniserklärung bringen sich „Aggi“ und seine Tante Barbara um den millionenschweren und mit enormen Einflussmöglichkeiten verbundenen Anteil, der ihnen im ursprünglichen Testament zugedacht war. Dieses hatte „Aggi“ vorher jedoch nie gesehen, es war, warum ist fraglich, zu spät versandt worden. Heikel ist vor allem die Frage, ob Springer tatsächlich zu schwach war, um die neue Version des Testaments zu unterschreiben, die er Servatius angeblich im Oktober 1985 diktierte. Friede Springer und Servatius behaupten dies, doch wenige Tage vor seinem Tod schrieb Springer eigenhändig einen Geburtstagsgruß an die Boxlegende Max Schmeling.

Fest steht, dass sich Springer um sein Erbe, vor allem um die Zukunft seiner Frau sorgte. „Er hatte Angst, dass die vielen Männer im Konzern Friede nicht akzeptieren würden“, sagt Christian Kracht senior, bis 1983 Generalbevollmächtigter des Konzerns. Deshalb erscheint es ihm plausibel, dass Springer seine Frau mit 70 statt mit 50 Prozent ausstattete. Am Ende war diese Sorge unberechtigt, wie Friede Springers herausragende Position im Konzern heute beweist.

Das Gericht könnte nun darüber entscheiden, ob sie diese Stellung behalten kann. Möglich wäre aber auch, dass die Hamburger Richter noch mehr Beweise sichten wollen. Oder, dass sie einen Vergleich vorschlagen. Nach der Pleite um den Postdienstleister Pin AG und dem folgenden Ausstieg aus dem Privatfernsehen befindet sich der Konzern derzeit nicht in ruhigem Fahrwasser und kann einen weiterhin schwelenden Erbenstreit nicht gebrauchen. Doch sollte „Aggi“ gewinnen, könnte auch Barbara Choremi Nachforderungen stellen – Macht und Millionen Friede Springers gerieten dann erheblich ins Wanken. Am Ende könnte sich womöglich „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann Hoffnungen auf die Nachfolge von Vorstandschef Mathias Döpfner machen. Diekmann gilt als langjähriger Freund von „Aggi“ Springer.

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