Medien : Erinnerungen an den Holocaust

XXP-Studiogespräch mit Anita Lasker-Wallfisch und Martin Doerry

Carla Woter

Dienstags ist im Programm des Berliner Senders XXP der Tag der Vergangenheit. Montags ist die Gegenwart dran und mittwochs die Zukunft. Das klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht zu trennen, wie heute Abend das „Studiogespräch" zeigt. Denn es berührt alles. Eingeladen sind die Cellistin, Autorin und Auschwitz-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch und der Vize-Chef des „Spiegel“, Martin Doerry. Was verbindet die beiden? Sie kommen aus dem bildungsbürgerlichen Judentum, ihren Familien ist viel Leid zugefügt worden. Lasker-Wallfisch hat Auschwitz überlebt, aber erst 50 Jahre nach der Befreiung spricht sie darüber. Der Historiker Doerry (Jahrgang 1955) hat die Lebensgeschichte seiner Großmutter Lilli Jahn aufgeschrieben, und auch Lasker-Wallfisch (Jahrgang 1925) verarbeitet ihre Geschichte literarisch: „Ihr sollt die Vergangenheit erben“.

Das Thema der Sendung auf XXP heißt „Erinnerungen an den Holocaust“ und zeigt noch etwas, das Doerry und Lasker-Wallfisch verbindet – und dieses Gespräch zu einer berührenden Geschichtsstunde macht. Es ist ihre humanistische Geisteshaltung. Beide wollen zutiefst, dass sich mit dem Judentum nicht nur Holocaust, Tod und Schrecken verbindet, sondern auch, dass die Kultur der Juden weiterlebt, ihre Bildung, ihre Werte. Zwei Generationen wollen erinnern, wollen aber auch Alltägliches erzählen. Und das tun sie, ruhig, kenntnisreich, emotional, aber nicht pathetisch. Man hört ihnen gern zu.

Zwischendurch fragt Anita Lasker-Wallfisch immer wieder die XXP-Moderatorin: „Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen können?" Verstehen kann man vieles nicht, aber zuhören. Etwa wenn Lasker-Wallfisch erzählt, wie sie KZ-Arzt Mengele Schumanns „Träumerei“ vorspielen musste. „Was haben Sie dabei empfunden?“ fragt die Moderatorin. „Nichts“, antwortet Lasker-Wallfisch. „Ich habe es einfach gespielt.“ XXP, 20 Uhr 15.

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