Erklär mir Norman Bates : In Hitchcocks Schatten

Die Serie „Bates Motel“ erzählt die Vorgeschichte zum Filmklassiker „Psycho“. Und verlegt die Handlung in die Gegenwart.

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Verhängnis. Norman Bates (Freddie Highmore) will Spaß. Aber seine Mutter (Vera Farmiga) kauft ein Motel. Foto: Vox
Verhängnis. Norman Bates (Freddie Highmore) will Spaß. Aber seine Mutter (Vera Farmiga) kauft ein Motel. Foto: Vox

Das muss man sich erstmal trauen: Einen Kultfilm eines Kult-Regisseurs nehmen und die Vorgeschichte des Klassikers erzählen. Die Produzenten und Drehbuch-Koautoren Carlton Cuse und Kerry Ehrin von US-Serien wie „Lost“ oder „Friday Night Lights“ haben es einfach gemacht. Die US-Serie „Bates Motel“ erzählt von der Jugend jenes Norman Bates im Alfred-Hitchcock-Meisterwerk, der als Motelbetreiber eine zu Tode erschrockene Marion Crane (Janet Leigh) in dem ganz sicher berühmtesten Duschmord der Filmgeschichte brutal erstechen wird.

Vor „Bates Motel“ gab es bisher drei Kino-Sequels zum schwarz-weißen Hitchcock-Klassiker „Psycho“. In den Filmen „Psycho II – IV“ ist es der auf Lebzeiten auf die Figur des Norman Bates festgelegte Anthony Perkins, der den manisch-neurotischen Motelbetreiber verkörpert. 1998 kam Gus Van Sant auf den abstrusen Gedanken, „Psycho“ als Remake zu verfilmen, in Farbe, Einstellung für Einstellung. „Bates Motel“ nun ist nichts von alledem: kein Sequel, auch kein Remake, die Serie ist von eigener Qualität.

„Norma und Norman – schon ungewöhnlich“, meint Sheriff Romero (Nestor Carbonell), als er das Motel und seine neue, durchaus attraktive Betreiberin in der ersten Folge „Erst der Traum, dann der Tod“ aufsucht. Später wird bekannt, dass dieser Norman noch einen Bruder, Dylan (Max Thieriot), hat. Sonst zeichnet die Serie die familiäre Konstellation und die ödipal-obsessive Grundsituation des Hitchcock-Stoffs nach, der auf Robert Blochs Roman basierte. Norman Bates steht unter der Fuchtel seiner dominanten Mutter Norma (Vera Farmiga), die für ihren 17-jährigen Sohn mehr als nur mütterliche Gefühle hegt. Er ist unfrei. Er kommt als Sympathieträger rüber, in Norman Bates steckt, so scheint es, ein guter Kern.

„Bates Motel“ bedient sich bei alledem eines Kunstgriffs, der grundlegend ist für die gesamte Anlage der Serie. Alfred Hitchcocks „Psycho“ spielte in der Gegenwart des Jahres 1960, „Bates Motel" spielt im Heute und Hier. Norman Bates hat ein Smartphone, die Klassenkameradinnen sind alle hippe, modische Chicks. „Psycho“ funktioniert auch im 21. Jahrhundert. Thilo Wydra

„Bates Motel“, Vox, Montag, 22 Uhr

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