Medien : Es geht auch ohne Männer

Die Zukunft ist pink: Hillary Clintons überzeugender Auftritt bei „Christiansen“

Desiree Bethge

Hillary war da – und so hieß es bei Christiansen „Frage unter Freunden: Wohin geht Amerika?“ Es war, wie in so manchem Gespräch unter Freunden: Es gab keinerlei Ergebnis. Wohin geht Amerika? Ich wusste es vorher nicht, und jetzt weiß ich es auch nicht, weil auch die Gäste nichts Genaues wussten. Aber es ging ja bei Christiansen noch um etwas ganz anderes – nämlich um die Frage: Wie ist sie denn so, die Hillary Clinton? Wie ist eine Frau, die ihrem Mann, dem Präsidenten, trotz seiner Praktiken mit Praktikantinnen zu ihm hielt, die jetzt Senatorin ist, bei den Demokraten hoch gehandelt, bei den Republikanern verhasst, eine Frau, die jetzt einen Bestseller geschrieben hat, und der man zutraut , die erste Präsidentin Amerikas zu werden – ja, wie ist die denn nun wirklich? Christiansen bot die Chance, Hillary Rodham Clinton zu erleben.

Toll. Ein Treffer, die ist spannend, dachte ich mir – und wunderte mich sofort ein wenig. Denn da war auch noch geladen: Angela Merkel, mächtigste Frau in der deutschen Politik. So weit, so gut. Aber bass erstaunt hat mich, dass dann noch zwei Herren die Runde vervollständigten: Edzard Reuter, Ex-Daimler-Chef, und Josef Joffe, „Zeit“-Chefredakteur und Amerika-Kenner. Offensichtlich traute man einem Gespräch in reiner Frauenbesetzung über Macht, Politik, Frauen und Führung nicht wirklich.

Das merkte man. Da stand zwar als Überschrift die Frage „Wohin geht Amerika?“, aber gleich nach der Vorstellungsrunde fragte Sabine Christiansen klug in Anspielung auf eine mögliche Präsidentschaft Hillary Clintons: „Was wäre, wenn Frauen die Sache in die Hand nähmen?“ Genau: Was, frage ich mich, wäre denn dann – wäre es anders, oder eben nicht anders.

Und dann kommt Hillary Clinton zu Wort. Aber schon vorher, noch bevor sie spricht, gibt sie ein Bild ab, das ganz deutlich signalisiert: Hier bin ich, ich bin nicht zu übersehen, ich bin hier der Mittelpunkt.

Das findet auch der Kameramann, der immer wieder so close geht, dass es hart an der Schmerzgrenze ist. Sie war perfekt – klar konturiert, laut und weiblich: pretty in pink! Die schicke blonde Kurzhaarfrisur unverändert, Ohrclips gülden mit Diamanten, so kleine Ringe, Sie wissen schon. Das Jackett streng geschnitten, mit Stehkragen, das hebt das Gesicht hervor, farblich passend Lid- schatten und Lippenstift. Untenrum eine schwarze Hose (das streckt!) und schwarze Pumps. Frau Merkel in dunkelrotem Jackett und schwarzer Bluse und Rock wirkte von gediegener Tristesse, was sie mit ihren herabgezogenen Mundwinkeln unterstrich – oder unterstrich das Outfit die Mimik? Wie immer, der Eindruck ist, wie er ist.

Edzard Reuter war im kleinen Grauen, Joffe in Grau-Blau, der Vollständigkeit halber.

Dann ging es los mit dem Irak-Krieg und den allseits bekannten Positionen. Und als Europa dran ist und das Verhältnis zu Amerika, da sieht man, wie Hillary C. das so macht. Sie verabreicht die bittere Pille, mit einem reizenden Lächeln : „…Europa, das ist prima, aber Sie sollten schon mal ihre Sicherheitspolitik selbst in den Griff kriegen!“ Und da merkt man, die Frau ist zäh, die ist kein leichter Gegner – und das verpackt sie dann mit geübtem Charme – Obacht, da kann man sich auf was gefasst machen! Interessant wird es, als die Frage Frauen und Führung aufs Tapet kommt – alle finden unisono und politisch korrekt: Frauen an die Macht, Joffe kann es nicht lassen, Kanzler Schröder noch einen mitzugeben: „Besser eine Frau, die führt, als ein Mann, der laviert.“ Lediglich E. Reuter hat davon gehört und weiß, dass es da Männer geben soll, die einen gewissen Widerstand gegen weibliche Führung ausüben.

Und er bringt dann nochmal zusammen, was hier hätte Thema sein können: „Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn Frauen an der Spitze gestanden hätten." Das stand dann so im Raum herum.

Dann hat die Sendung doch noch einen Höhepunkt – kurz entsteht zwischen den Frauen eine Nähe, eine andere Temperatur, als es um die Rolle der Medien geht und wie man das aushält. Plötzlich spürt man Leben in den Damen, Gefühle, etwas jenseits aller Professionalität und Maskenhaftigkeit. Hillary Clinton erklärt, wie schwer das sei, so unter Dauerbeschau von Kameras und Medien – und zwar sowohl was das Private, aber auch was die politische Arbeit angeht. Und da trifft sie offensichtlich die Erfahrungen von Angela Merkel: Heutzutage müssten Politkerinnen schon Statements abgeben, noch bevor sie wüssten, worum es gehe. Und vielleicht denkt die eine an Billiboy und die andere an Stoiber und Wolfratshausen.

Dann erzählt Angela Merkel, dass sie immer samstags nachmittags ihre Veranstaltungen verließe, um nach Hause zu gehen. Und wenn der Veranstalter dann lieber einen nächsten Termin als Grund vorschiebt, hat sie gedroht, das künftig offen zu sagen. Denn, so die CDU-Chefin: „Einmal in der Woche muss ich nach Hause, und das lasse ich mir auch nicht nehmen.“ Alles lacht und klatscht, und plötzlich ist ein Lächeln in diesem Gesicht, das es völlig verändert. Und ein ein bisschen Leben scheint durch – auch bei Hillary Clinton. Kurz, vorbei , alle hatten ihre Gesichter wieder „under control“.

Also, ich weiß jetzt nicht, wo Amerika hingeht. Ich weiß auch nicht: „Was wäre, wenn Frauen die Sache in die Hand nähmen." Aber ich habe ein bisschen Hillary Clinton erlebt: tough, zäh, Vollprofi, kühl, gescheit. Eine, die weiß, was sie will, und auch, wie man es bekommt. Apropos Präsidentschaft – nach dieser Sendung bin ich sicher: Diese Frau steht ihren Mann. Was immer das bedeuten mag.

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