Medien : Es geschah in der helllichten Nacht

ZDF-Film über die Bombardierung von Dresden

Thomas Gehringer

Von dem Inferno in Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 gibt es nur Bilder aus der Luft, aus den Bordkameras der britischen Bomber. Man sieht die glühende Stadt, die flackernden Brände. Natürlich sind die Folgen dokumentiert: Das wunderschöne, bisher unversehrte Dresden verwandelte sich in eine Trümmerwüste. Doch was geschah in der Stadt während der drei verheerenden Angriffswellen? Wie haben die Dresdner und die vielen Flüchtlinge, die sich damals in der Stadt aufhielten, das Inferno erlebt?

Das ZDF will die Distanz zu diesem leidvollen Ereignis verringern, indem es die Erinnerungen von zehn Zeitzeugen, die damals fast alle Kinder waren, in Szene setzt. „Historische Reportage“ nennt das ZDF den Film von Sebastian Dehnhardt. Nach den gefilmten Interviews wurde das Drehbuch geschrieben, das die Angriffe chronologisch protokolliert.

Zweifel sind zuweilen angebracht: Eine Frau blickt sehnsuchtsvoll durch ein Fenster, während sich die Kamera entfernt. Die Schauspielerin verkörpert die Mutter von Helga Jüster, die in der Bombennacht im Krankenhaus geboren wurde und überlebt, während ihre Mutter ums Leben kam. Die Filmszene berührt sicher das Publikum, aber ob es wirklich so war, weiß heute niemand. Überhaupt: Ist der Horror dieser Nacht und der Schrecken in den Dresdner Kellern wirklich darstellbar?

„So war es“, sagte Werner Hanitzsch, der als Rotkreuz-Helfer am Dresdner Hauptbahnhof die Angriffe erlebte, bei einer Pressevorführung in Köln. Die Aufgabe sei es gewesen, die Darstellung „nicht zu überziehen, aber es auch nicht abzuflachen“. Dies sei exakt gelungen. Wer kann dies besser beurteilen als einer, der persönlich dabei war?

Die historischen Zusammenhänge werden nur knapp angerissen. Den Verdrehungen der Rechtsextremen („Bomben-Holocaust“) tritt Dehnhardts Film vor allem durch ein emotionales, versöhnliches Ende entgegen: Werner Hanitzsch und der britische Pilot Leslie Hay gedenken der Opfer Seite an Seite in der Krypta der wiedererrichteten Frauenkirche.

„Das Drama von Dresden“: ZDF, 20 Uhr 15

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