Medien : Es gibt ein Leben nach dem Ruhm

Eine Dokumentation über den Popstar Cat Stevens, der zum strengen Moslem wurde

Moritz Schuller

Sein Rückzug vergrößerte nur seinen Ruhm, so funktioniert das Popgeschäft. Ohnehin hatte Cat Stevens, als er 1978 freiwillig verstummte, seinen Beitrag bereits geleistet: „My Lady D’Arbanville“ oder „Moonshadow“ gehören zu den zentralen Liedern jenes eben auch sehr softrockigen Jahrzehnts. Dass er sich da bereits Yusuf Islam nannte, spielte erst wieder eine Rolle, als er das Todesurteil gegen Salman Rushdie wegen der „Satanischen Verse“ unterstützte: aus Steven Demetri Giorgiou, 1948 im Londoner Westend geboren, war plötzlich ein fundamentalistischer Muslim geworden, aus der Popikone ein Schläfer avant la lettre. Er sei „ein wenig naiv“ gewesen, sagt Yusuf Islam in der Fernsehdokumentation über sein Leben, er habe damals lediglich den Koran wiedergeben wollen. Die Zeitungsüberschriften sahen das anders: „Tötet Rushdie, sagt Cat.“

Zum Ende des Films ist Yusuf Islam zu sehen, wie er mit Prinz Charles einen muslimische Kindergarten in London eröffnet. Das Land, vielleicht auch seine Fans haben sich wohl mit ihm versöhnt. „Er hat viel Gutes getan“, sagt ein Freund, „auch wenn nicht alles richtig war.“ Dass Yusuf Islam gleichwohl nicht zum 11. September befragt wird, zur Beziehung der Religionen, auch zum Fundamentalismus, ist sicher eine Schwäche des Porträts. Es beschränkt sich darauf, das Leben eines Suchenden nachzuzeichnen, der zweimal knapp dem Tod entronnen (Tuberkulose und Schwimmunfall im Pazifik) sich nach 40 Millionen verkauften Platten dem Islam – samt einer arrangierten Ehe – verschreibt. Seine Suche war die einer ganzen Generation, seine Musik die Poesie zur Suche. Dass er beim Islam gelandet ist, wirkt fast wie ein Zufall: Ironischerweise waren es die Ähnlichkeiten zur Bibel, die ihn anfangs am Koran faszinierten.

„Du wirst einmal ein Star“, sagte der Bruder als Steven noch im elterlichen Restaurant kellnerte. In seinem ersten Leben war er auch ein Star, heute finanziert er mit seinem musikalischen Tantiemen gute muslimische Taten. Im zerstörten Sarajewo hat er 1997 sein erstes Live-Konzert gegeben (ohne die Klassiker), heute hält er Vorträge vor Harvard-Studenten und lehnt das Musikgeschäft auch nicht mehr strikt ab. Der Weg, den der Popstar zurückgelegt hat, wirkt am Ende des Films weniger fremd. Aber fremd bleiben beide Leben.

Cat Stevens – Eine wahre Geschichte, Dienstag, 13. Juli, Phoenix, 23 Uhr.

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