Medien : Es lebe billig!

Die dpa reagiert auf die Kritik der Verlage und senkt die Preise

Günter Beling[Hamburg]

Eine „schwierige Situation“ erfordere „schwierige Maßnahmen“, sagt Walter Richtberg, Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur (dpa), nach der Sitzung der Gesellschafter: Der Nachrichtenlieferant senkt ab Januar 2004 die Preise – und nimmt dafür rote Zahlen und Fragen an die Qualität in Kauf. Man werde Einschnitte in die Kernkompetenz vermeiden, aber „Nachrichten strenger selektieren“, so dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn. Auflagenstarke Blätter werden am meisten profitieren. Zeitungen mit 100 000 bis 150 000 Auflage erhalten einen Rabatt auf den Basisdienst von zwei Prozent, wer 100 000 Exemplare mehr bringt, erhält vier Prozent. Hinzu kommen Rabatte für langfristige Vertragsabschlüsse.

Auflagengiganten wie „Bild“ können sich so jährlich um bis zu 18 Prozent entlasten. dpa kostet das Preispaket rund 3,3 Millionen Euro vom 100-Millionen-Umsatz. Dem gegenüber stehen massive Kürzungen: Alle zwei Jahre sollen fünf Millionen Euro eingespart werden. Der Beschäftigungspakt gelte weiter, aber die Mannschaft von 825 Mitarbeitern werde 2004 um neun Prozent „verschlankt“, so Richtberg. Durch eine „Leistungsexplosion“ – der Output habe sich binnen zehn Jahren fast verdoppelt – und der Ausbau neuer Geschäftsfelder ( Fertigseiten, Mobilfunkdienste, Dienstleistungen im Bildbereich) werde 2006 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht. Mit guten Leistungen, attraktiven Preisen und einem Konjunkturaufschwung sei eine „Renaissance der Nachrichtenagentur“ zu schaffen, so Richtberg.

Wer von Wiedergeburt spricht, ist nicht sorgenfrei: Die dpa-Kunden und -Gesellschafter hatten angesichts der Wirtschaftslage das neue Preissystem immer lauter gefordert. Sechs Kündigungen gingen bisher ein. Die dpa gehört 196 deutschen Verlagen, Verlegern und Rundfunkgesellschaften. Die aber leiden schon das dritte Jahr unter Anzeigen-, Auflagen- und Werbekunden-Schwund. Immer öfter fällt beim Kostenmanagement der Posten „Agenturen“. Rund eine halbe Million Euro kostet dpa pro Jahr einer Zeitung mit einer Auflage von 300 000 Exemplaren. Ein Dutzend Regionalzeitungen verzichteten demonstrativ für einen Tag auf alle dpa- Dienste, um gegen deren Preispolitik zu protestieren. Die dpa bietet ihren Kunden einzelne Pakete an. Es gibt einen Basisdienst, zwölf einzelne Landesdienste, daneben den Bilder- und den Grafikdienst sowie diverse Sonderdienste. Ein Einzelbezug von Landesdiensten ohne den Basisdienst ist auch künftig nicht möglich. Da der Trend aber zur „Autorenzeitung“ gehe, betrachte sich dpa zunehmend als „Rohstofflieferant“ – die Redaktionen können jetzt Korrespondentenberichte abbestellen und so zehn Prozent sparen. Die kritische Kompetenz der Agentur werde auf dem „am heißesten umkämpften Nachrichtenmarkt der Welt“ erhalten, sagte Herlyn. Zugleich kündigte er an, am Ausbau unterhaltsamer und „bunter“ Themen festzuhalten. Auch in der Regionalberichterstattung soll es „keine weißen Flecken“ geben.

Einer aktuellen Umfrage unter Gesellschaftern und Chefredakteuren zufolge halten 87 Prozent das Komplettangebot auch künftig für wichtig. Während Kompetenz und Professionalität Spitzenwerte erreichen, gab es anderswo Rügen: Offenheit und Flexibilität, so die Blattmacher, sind nicht die größten Stärken der dpa.

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