Medien : Es muss nicht alles Fiktion bleiben

Petra Müller vom Medienboard will mehr TV-Produktionen in die Region lotsen

Hannah Pilarczyk

Die Startschwierigkeiten des Medienboard Berlin-Brandenburg zeigen sich schon am Eingang. Wo es zu Petra Müller vom Medienboard geht, fragt man den Pförtner. „Sie meinen das Filmboard“, korrigiert er und zeigt auf das Nachbargebäude an der Babelsberger August-Bebel-Straße. Dort im dritten Stock sitzt Petra Müller und ist Geschäftsführerin des Medienboard. Dass der Pförtner nicht weiß, dass das Filmboard zu Anfang des Jahres im neu gegründeten Medienboard aufgegangen ist, entlockt ihr ein kleines Schnauben. Dass die Medienschaffenden in Berlin und Brandenburg nicht wissen, was das Medienboard ist und welches seine Aufgaben sind, ist o.k. Das zu klären, sieht Petra Müller als ihre Aufgabe, und die hat sie in den vergangenen sieben Wochen gemacht. Nun geht es an die eigentliche Arbeit.

Das Medienboard Berlin- Brandenburg ist eine Neugründung mit alten Aufgaben. Vom eingegliederten Filmboard hat es die Filmförderung, vom bisherigen Medienbüro die Betreuung und Vermarktung des Medienstandortes Berlin- Brandenburg übernommen. Müller selbst steht in der Nachfolge des ehemaligen Medienbeauftragten von Berlin, Bernd Schiphorst. „Ich bin ein langfristiger und systematischer Typ“, beschreibt Müller ihre Herangehensweise an den neuen Job. Die 46-jährige Germanistin hat schon diverse Stationen im Mediengeschäft hinter sich. Sie war Unternehmensberaterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Adolf-Grimme-Institut und hat das Generalsekretariat des Deutschen Fernsehpreises aufgebaut. Zuletzt war sie Direktorin des Film- und Fernsehfestes „Cologne Conference“. Die Leitung des Medienboard ist sicherlich eine der schwierigeren Aufgaben. „Die Einrichtung des Medienboard wurde nicht vorbehaltlos begrüßt“, sagt Müller in einer Art, als sei es für sie eine Herausforderung, auf die sie nur gewartet habe. „Es wird darauf ankommen, eng mit Branche, Politik und Verwaltung zusammenzuarbeiten, um gemeinsam voranzukommen. Revierkämpfe kann der Standort Berlin-Brandenburg nicht gebrauchen.“

Ziel der Neugründung ist es, den Medienschaffenden in der Region einen zentralen Ansprechpartner zu bieten – der wiederum mit einer Stimme für den Standort sprechen soll. Doch die beschlossene Leitungsstruktur ist unübersichtlich. Petra Müller ist als Geschäftsführerin zwar für das gesamte Medienboard verantwortlich. Für den größten Arbeitsbereich, die Filmförderung, ist aber der so genannte Intendant zuständig. Er verfügt auch über den Großteil des Budgets: Von den etwa 18 Millionen Euro, die das Medienboard von den Landesregierungen Berlin und Brandenburg erhält, unterstehen ihm fast 16 Millionen Euro. Bisher hat Klaus Keil diese Arbeit gemacht, doch er wechselt Ende März zum Erich-Pommer-Institut der Universität Potsdam. Vergangene Woche tagte zum ersten Mal die Findungskommission des Medienboard, um mögliche Nachfolger von Keil zu diskutieren.

„Bis Ende März steht der Aufbau des Unternehmens im Vordergrund, parallel zur Tagesarbeit läuft die Standortanalyse“, sagt Müller. Nach 100 Tagen im Amt will sie einen Vorschlag für eine Standortstrategie auf den Tisch legen. Müller hat sich deshalb in den vergangenen Wochen vor allem bei den Medienvertretern der Region vorgestellt und umgehört, wo Stärken und Schwächen des Standortes Berlin-Brandenburg liegen. Zu den Stärken zählt sie die Filmszene und die internationale Ausstrahlung; die Tatsache, dass Berlin die „Hauptstadt der Nachrichten und des politischen Journalismus, der Musik, der Kreativen und des Nachwuchses“ sei; und auch der IT-Bereich und die neuen Medien böten Potenzial. Die Schwächen sieht die Medienboard-Chefin im geringen Profil des Standorts Berlin-Brandenburg, wenn es um den Wettbewerb mit Köln geht. Die Domstadt, Sitz des Privatsenders RTL, gilt als erster Standort für Entertainment-Produktionen.

Aber hat Berlin-Brandenburg statt eines Image-Problems nicht viel mehr ein Geldproblem? Für 2005 droht der Berliner Senat, das Budget des Medienboard um 1,6 Millionen Euro zu kürzen. „Geld ist sicher das zentrale Thema“, stimmt Müller zu. „Die Budgets für Filmförderung und Standortmarketing müssen gesichert und möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden. Ebenso wichtig ist es aber, die Leistungen der Medienregion zu kommunizieren.“ Die Filmproduktion ist für Müller Kern des Selbstverständnisses der Medienregion. Um die zu stützen, wirbt sie aber auch für neue Maßnahmen: „Wenn es um die Akquisition von Aufträgen und die Auslastung der Film- und Fernsehstudios geht, wird man sich daneben stärker um das Fernsehen und seine Genres kümmern müssen. Im vergangenen Jahr hat Sat 1 zum Beispiel viele Entscheidungen für Produktionen in Berlin getroffen. Das ZDF ist sicherlich auch ein guter Partner. Hierauf lässt sich aufbauen.“ Ende des Monats wird Petra Müller sagen, welche Bausteine sie einsetzt, um die zersplitterte Medienlandschaft Berlin- Brandenburg auch als Produktionsstandort für Non-Fiktionales attraktiv zu machen.

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