Medien : Es war einmal ein Hengst

Mehr schwarze Komödie als Krimi: Der Münsteraner „Tatort: Frauenflüsterer“

Kurt Sagatz

Rassige Pferde, hübsche Frauen, dazu noch eine Dorfkneipenschlägerei und eine Verfolgungsjagd hoch zu Ross – der Münsteraner „Tatort: Pferdeflüsterer“ an diesem Sonntag mit dem ewig übellaunigen Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und dem exzentrischen Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) stammt nicht nur aus dem Westen, er hat auch durchaus Züge eines Western an sich. Im Mittelpunkt steht Reitlehrer Markus Hoffschulte (Kai Wiesinger). Der kann nicht nur gut mit Pferden umgehen, sondern weiß offensichtlich auch zu gut, was Frauen wünschen. Sein Problem: Die Beziehungen halten niemals lange. Überdies sind nicht nur seine Liebschaften oft keine Singles mehr, auch Hoffschulte selbst ist verheiratet. Als dann sein 200000-Euro-Deckhengst Rasputin entführt und später als Wallach wiedergefunden wird, weiß darum jeder Einheimische sofort, was diese Entmannung bedeutet.

Die Frage, die der jüngste „Tatort“ stellt, ist vor allem: Darf über Verbrechen gelacht werden? Sicher ist: Die „Tatorte“ aus Münster, vor allem aber das Gespann Liefers/Prahl verstehen es auf einzigartige Weise, den Zuschauer jenseits aller kriminalistischer Logik zu unterhalten. Und je größer die Nähe der Münsteraner zur westfälischen Provinz ist, desto besser geht dieses Konzept auf.

So kann der Zuschauer durchaus verstehen, dass die Staatsanwältin und bekennende Feministin Wilhelmine Klemm (großartig: Mechthild Großmann) sich herzlich über die späte Rache des Münsteraner „Clubs der Teufelinnen“ an Dorfcasanova Hoffschulte amüsiert, auch wenn Kommissar Thiel der Entmannung von Edelhengst Rasputin weniger abgewinnen kann. Immerhin weiß Gerichtsmediziner Boerne das Verbrechen sachlich einzuordnen. „Eigentlich handelt es sich nur um eine Form von Sachbeschädigung, was in diesem Fall jedoch ganz ohne Zweifel eine hodenlose Schweinerei ist.“

Alles beginnt im Kiepenkerl. Überhaupt ist es fast schon ein Wunder, dass dieses Münsteraner Traditionsrestaurant mit seiner gutbürgerlichen Küche erst jetzt zum Schauplatz eines „Tatort“-Todes wurde. Kommissar Prahl und Mediziner Boerne finden vor dem Restaurant eine Leiche auf dem Autodach, angeblich ein Selbstmörder. Aber Würgemale, Genickbruch, sowie eine Vielzahl anderer Blessuren lassen berechtigte Zweifel aufkommen. Fest steht nur, dass nicht nur die hübsche Frau des Toten, Doris Röttger (Anna Loos), die Schuld entweder direkt oder zumindest aber indirekt bei Reitlehrer Hoffschulte sieht, mit dem sie offenbar einst mehr verbunden hat als die Liebe zu Pferden.

Leider, aber dieser Makel trübt den Gesamteindruck des „Frauenflüsterers“ nur geringfügig, haben die Drehbuch-Autoren Jan Hinter und Stefan Cantz den humoristischen Bogen leicht überspannt und beim kriminalistischen Teil etwas geschludert. Zwar gibt es neben der Kastration von Deckhengst Rasputin im Verlauf des „Tatorts“ auch noch zwei echte Morde aufzuklären. Doch daran bleibt wenig Geheimnisvolles, zu offensichtlich deutet alles auf den Täter. Der echte Krimifan wird über diesen „Tatort“ müde gähnen, für alle anderen ist der „Frauenflüsterer“ beste Sonntagabend-Unterhaltung.

„Tatort: Frauenflüsterer“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15.

0 Kommentare

Neuester Kommentar