Medien : „Es wird mich jetzt öfters geben“

Regisseur Dieter Wedel entdeckt den Reiz der kurzen Form

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Herr Wedel, freuen Sie sich auf das Fernsehjahr 2003?

Bedingt.

Wieso nur bedingt?

Ganz so viel Neues wird da ja nicht passieren. Was mir auffällt, sind die vielen Remakes, wie zum Beispiel „Freiherr von Trenck“. Das zeugt von einer gewissen Verstörtheit, was und wie man denn Neues im Fernsehen erzählen könnte.

Was denn zum Beispiel?

Ich denke da an diese erfolgreichen amerikanischen Formate wie „24“ oder „Sex and the city“. Hierzulande geht das alles viel zu betulich zu. Opas Erzählkino. Man sollte formal mehr riskieren, Genres mixen, auch wenn es mal ins Auge geht.

Das könnte Dieter Wedel tun.

Ich sitze ja schon an meinem neuen Projekt nach der „Affäre Semmeling“: „Papa und Mama“, eine zweiteilige Fernsehkomödie für das ZDF zum Thema Scheidung, aus der Sicht des Kindes erzählt. Da will ich anders erzählen, mutiger mit den Formen spielen, habe allerdings noch keine Zeile geschrieben.

Dann wird das ja nichts mehr für 2003.

Nein, wenn es gut läuft, fangen wir im Herbst 2003 an zu drehen. Ich sitze hier vor meiner Wohnung auf Mallorca….

…oh, wie ist das Wetter…

…wolkenloser Himmel, 30 Grad. Ich war Weihnachten zum ersten Mal hier, wunderbar. Ich sitze hier in der Sonne und sortiere einen Berg Anwaltsnotizen zum Thema Scheidung.

Werden das dann wieder sechs Teile wie bei den „Semmelings“? Das lief ja nicht so gut.

Nein, das funktioniert auch nicht mehr. Die Sehgewohnheiten haben sich in den vergangenen zehn Jahren einfach zu sehr verändert. So große Panoramen, so viele Menschen wie bei den „Semmelings“ oder beim „Großen Bellheim“, das lässt sich dem Zuschauer nicht mehr vermitteln.

Das klingt resignierend.

Ist es aber nicht. Neulich sprachen mich Leute an. Ich würde einen großen Fehler machen: zu lange Pausen zwischen meinen Filmen. Wenn da immer drei, vier Jahre dazwischen liegen, ist die Erwartungshaltung vor dem neuen Film viel zu groß. Das nehme ich mir jetzt zu Herzen. Es wird jetzt öfters Wedel im Fernsehen geben, aber nicht mehr so lang.

Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einem ganz kurzen WedelFilm? Es muss ja nicht für 2003 sein.

Ich werde auf jeden Fall einen Einteiler schreiben und drehen. Das hat sich in diesen Tagen entschieden und ist mit 60 Neuland für mich, als Spezialist für mehrteilige Filme. Genau wie das Thema, ein historischer Stoff aus dem Umfeld des Dritten Reiches, sprich Hitler. Genaueres kann ich aber noch nicht verraten. Mehr dann: 2004 im ZDF.

Das Gespräch führte Markus Ehrenberg .

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