Euro 2016: TV-Experten und Moderatoren : Szenen einer Langzeit-Ehe

Diese Paare haben sich ihre Partner nicht selbst ausgesucht: Fußball-Experten wie Mehmet Scholl oder Stefan Effenberg und ihre TV-Moderatoren. Eine Analyse der Analysten.

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Matthias Opdenhövel (links) und Mehmet Scholl befinden sich paaranalytisch gesprochen bereits in der abgeklärten Phase.
Matthias Opdenhövel (links) und Mehmet Scholl befinden sich paaranalytisch gesprochen bereits in der abgeklärten Phase.Foto: WDR

Die Partner, deren Zweierbeziehung im Folgenden analysiert werden soll, so wie sie ihrerseits für sich beanspruchen, Fußballspiele zu analysieren, haben sich nicht gegenseitig ausgesucht. Andere haben die Partnerschaften arrangiert – mit dem Hintersinn, dass sie im Idealfall die Qualität von Langzeit-Ehen entwickeln. So beschrieb einmal der Paartherapeut Ulrich Clement das Verhältnis von Günter Netzer zu Gerhard Delling, weil die „eingespielt“ seien, aber in ihrer Interaktion „noch Verführungsmomente drin“ seien.

Bei dieser EM gibt es ein junges Paar: Stefan Effenberg, Ex-Nationalspieler, und Alexander Bommes, ARD-Moderator. Zum Spiel England – Island saßen sie im 90-Grad-Winkel im Studio, gleichermaßen einander sowie der Kamera zugewandt. Wie hin drapierte Schaufensterpuppen. Bommes versuchte, Effenbergs Stinkstiefel-Charisma durch ein Kichern zu kontrastieren, wie es Mädchen tun. Ein Paar in der Anbahnungsphase. Bommes warb, doch Effenberg, der mit steifem Kreuz und Nacken dasaß, als wäre er im Zeugenstand vor Gericht, ist aus schwer entflammbarem Material.

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Matthias Opdenhövel, der zuvor mit seinem langjährigen Partner Mehmet Scholl das Spiel Italien gegen Spanien besprach, scheint sich hingegen bereits in der abgeklärten Phase zu befinden. Reserviert reagierte er auf die Eifrigkeit seines Kompagnons, der begeistert seine Analysen vortrug.

Akteure der Unterhaltungsindustrie

Das charmanteste Paar saß im ARD-Morgenmagazin: Gernot Rohr, Ex-Profi bei Girondins Bordeaux, zurzeit ARD-EM-Experte: gutmütig, bescheiden. Rohrs Ex-Mannschaftskollege Dieter Müller war zu Gast. Müller wirkte fast schüchtern, dabei war er Ende der 70er Deutschlands bester Mittelstürmer. Im Gespräch entfaltete sich ein Charme aus der Zeit, als Fußballer noch nicht zu Akteuren der Unterhaltungsindustrie geschliffen waren.

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