Europawahl : Hallo Frau Nachbarin

Die ARD geht vor der Wahl auf Europatour. Der Sender will sich mit Vorurteilen und Problemen im Zusammenleben, mit der Finanzkrise und EU-Skepsis auseinandersetzen.

Thomas Gehringer

In diesen Tagen sieht und hört man Außenminister Hans-Dietrich Genscher wieder häufig auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ Der Rest geht im Jubel der DDR-Flüchtlinge unter. Es war einer der bewegendsten Augenblicke im Wendejahr 1989, auch für Genscher selbst. „Er möchte nicht mehr auf diesen Balkon“, sagt Sven Lorig vom ARD-„Morgenmagazin“, „aber ich werde es versuchen.“ Wenn es um große Gefühle geht, kennt das Fernsehen kein Pardon.

Die Hauptstadt Tschechiens, das zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, ist die erste Station auf der ARD-Europatour von Lorig und Tom Buhrow. Wie bereits vor zwei Jahren steuern die beiden an fünf Tagen fünf verschiedene Länder an und berichten live im „Morgenmagazin“ und in den „Tagesthemen“.

Morgens darf es in drei etwa sechsminütigen Blöcken ab 6 Uhr 40, 7 Uhr 40 und 8 Uhr 40 Uhr menscheln, abends interviewt Buhrow in den „Tagesthemen“ Politiker, Unternehmer und zum Abschluss den niederländischen Schriftsteller Geert Mak. Berichte der ARD-Korrespondenten runden das Angebot ab. Außerdem reist der Tross noch nach Polen, Österreich und Frankreich. Fünf direkte Nachbarländer, darunter alte und neue EU-Mitglieder: Die ARD will sich knapp zwei Wochen vor der Europawahl mit Vorurteilen und Problemen im Zusammenleben, mit Finanzkrise und EU-Skepsis auseinandersetzen.

Lorig hat sich vorgenommen, an konkreten Beispielen zu erzählen, wie sich der Alltag in Europa verändert hat. So muss Malermeister Markus Mayer aus dem deutschen Grenzort Laufen seit dem EU-Beitritt Österreichs die Türen nicht mehr über die Grenze schmuggeln, wenn er sie für Kunden aus dem Nachbarort Oberndorf lackieren soll. Auch die moderat-gemeine Animationsreihe „Die schönsten Vorurteile“ wird es wieder geben.

„Morgenmagazin“, 5 Uhr 30, „Tagesthemen“, 22 Uhr 15, beides ARD

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