Medien : Eva Bräunlich

Rechte Parteien buhlen um Herman Michel Friedman: Sie ist kein „Lieschen Müller“

Nachdem Eva Herman die ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner am Dienstagabend verlassen musste, dreht sich das Herman-Karussell mit gesteigerter Geschwindigkeit weiter. Während beim Arbeitsgericht Hamburg eine Klage Hermans auf Weiterbeschäftigung einging, hat der Landesvorsitzende der Hamburger Zentrumspartei Dirk Nockemann der ehemaligen NDR-Moderatorin eine Kandidatur für die Landtagswahl im Februar angeboten. Für den früheren Parteigänger des Rechtspopulisten Ronald Schill war Hermans Auftritt bei Kerner ein erneuter Beweis für ihren „Mut“. Außerdem spreche sie mit ihren Äußerungen vielen Menschen aus dem Herzen. Er selbst finde die Werte, die Herman in Bezug auf Familie und Kinder vertritt, schlichtweg gut.

So geht es wohl auch anderen. Die rechtsextreme DVU hatte für das Wochenende eine Demonstration in Hamburg geplant – das Motto: „Meinungsfreiheit für Eva Herman“. Unterstützung von dieser Seite ist der ehemaligen Moderatorin alles andere als lieb, sie hatte sich juristisch gegen die Aktion gewehrt. Nun ist sie ohnehin untersagt worden: Die drei Fraktionen in der Hamburger Bürgerschaft, CDU, SPD und Grüne Alternative Liste, planen am Samstag eine Sitzung zum Thema Rechtsextremismus, der geplante Kundgebungsort der DVU-Demonstration vor dem Rathaus fiele in den Bannkreis.

Für Michel Friedman, Talkmaster von „Studio Friedman“ auf N24 und früherer Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist es langsam genug der Aufregung um Eva Herman: „Sie kann auftreten, wo sie will, das gehört zu einer demokratischen Gesellschaft, aber ein spannender Gast ist sie nicht.“ Das muss Friedman einmal anders gesehen haben, denn vor ein paar Wochen hatte auch er Herman für seine Talkshow angefragt und eine Absage bekommen. Das intensive Nachfragen Kerners am Dienstagabend ist laut Friedman berechtigt gewesen. „Eva Herman ist kein Lieschen Müller mit Naivitätsbonus, sondern eine erfahrene Medienfrau.“ Dass Kerner die Ex-Moderatorin hinausschickte, lag, so Friedman, an dem „gruppendynamischen Prozess“, der sich entspann: Wenn Herman nicht gegangen wäre, hätten es andere Gäste getan.AFP/rik

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