Medien : Ewiges Versteckspiel: Illegale Flüchtlinge in Deutschland

Alice Bota

Sie hätten nicht kommen müssen, die Flüchtlinge. Nicht aus Afrika, nicht aus Südamerika. Jetzt treiben sie die Innenminister um, die gerade über ihre Zukunft in Deutschland verhandelt haben. Viele sind „Wirtschaftsflüchtlinge“, ein Wort, das wertet: Ihr Leben war doch nicht bedroht wie das anderer, als sie gingen.

War es doch. Im Fall von Abelardo ging es nicht um sein Leben, sondern das seiner Mutter. Abelardo kommt aus den Slums von Ecuador. Seit sechs Jahren lebt er illegal in Deutschland. Er ist wegen seiner Mutter gegangen. Sie leidet an Diabetes und ist nicht krankenversichert. Würde ihr Sohn nicht monatlich Geld schicken für Medikamente und Arztbesuche, könnte sie nicht leben.

Als die Regisseure Maurice Estrella und Antonio Uscatequi Abelardo treffen, sitzt er im Gefängnis und wartet auf seine Abschiebung. Das jahrelange Versteckspiel mit der Polizei ist vorbei. Abelardo wirkt geradezu erleichtert. Dann aber kann er fliehen – das Versteckspiel beginnt von Neuem. Mehr als ein Jahr lang begleitet die Kamera Abelardos Leben und seinen Alltag. Sie zeigt, wie Abelardo sich mit illegalen Arbeiten durchschlägt und kalte Nächte in der Disko verbringt, wo es warm ist. Wie er mit der ständigen Angst umgeht, wegen einer Unachtsamkeit wieder aufzufliegen.

Bei Familie Peres aus Ecuador – der Name ist geändert worden – ist das Risiko, entdeckt zu werden, weitaus größer: denn sie leben illegal in Deutschland mit zwei Kindern. Seit Jahren bläuen die Eltern täglich ihren Kindern ein, um keinen Preis aufzufallen, nicht zu streiten, nicht zu provozieren. Die Kamera ist immer dabei. Auch, als die Mutter erfährt, dass sie an Magenkrebs leidet. Was tut man dann, als Illegaler?

Für Abelardo geht es gut aus. Er hat sich in eine Deutsche verliebt, wird Vater. Abelardo bekommt eine Aufenthaltsgenehmigung, er darf in Deutschland bleiben. Vorerst.

„Ohne Papiere in Deutschland“, ARD, 17 Uhr 30.

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