Medien : „Express“ entschuldigt sich bei Angela Merkel

Ulrike Simon

Mit den Mächtigen wollen es sich viele nicht verscherzen. Auch nicht mit den zukünftig Mächtigen. Da gilt es, sich rechtzeitig um gute Beziehungen zu kümmern.

Am Mittwoch erschien in der Kölner Boulevardzeitung „Express“ eine ganze Seite über Angela Merkel, die von den meisten Medien bereits zur künftigen Bundeskanzlerin ausgerufen worden ist. Neben einem Artikel über die mögliche Verteilung künftiger Ministerposten stellte der „Express“ auf dieser Seite die Frage, warum man über Merkel so gerne Witze macht. „Weil Männer Angst vor ihr haben“, folgerte die Redaktion und präsentierte die besten „Angie-Lacher“. Illustriert war die Seite mit dem Foto, das jeder aus der Sixt-Werbung kennt und Angela Merkel nach einer Cabrio-Fahrt zeigt, wie man anhand der Frisur unschwer erkennen kann.

Am Donnerstag schreibt die Redaktion „In eigener Sache“ auf Seite 3 des „Express“: „Der Herausgeber, Alfred Neven DuMont, sieht in der Publikation die Gefahr, dass dabei das Ansehen der möglichen Bundeskanzlerin herabgewürdigt wird und dass gar antifeministische Wirkungen zu befürchten sind.“

Da war Wiedergutmachung gefordert. Eine ganze Seite füllte die Redaktion mit Elogen auf Angela Merkel. In einem Porträt wird erklärt, wie die CDU-Chefin „zielstrebig und selbstbewusst“ ihre Ziele erreiche. Vier Fotos zeigen Angela Merkel von ihrer besten Seite. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach wird in einem Interview ausschließlich nach Merkels Stärken befragt. Schließlich wurden auch sechs prominente Frauen wie Alice Schwarzer und Mutter Beimer gefunden, die Merkels soziale Kompetenz, Durchsetzungskraft und Naturtalent beschwören und fordern: „Die Zeit ist reif für eine Frau“.

Angela Merkel, heißt es aus deren Büro im Bundestag, hatte sich wegen der Berichterstattung in der Mittwochausgabe des „Express“ weder beschwert noch habe sie Wiedergutmachung gefordert.

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