Medien : „Ey, Lupo, was geht?“

Das deutsche Comic-Magazin „Fix & Foxi“ ist an die Kioske zurückgekehrt

Martin Halter

In den 50er und 60er Jahren musste sich jeder Knabe zwischen Kaugummi und Mohrenkopf, Hollywood- und „Winnetou“-Filmen, kurz: zwischen dem amerikanischen Schund, vor dem uns unsere Eltern warnten, und jugendfreier deutscher Qualitätsarbeit entscheiden. Für die damals noch überschaubare Comicszene hieß das: „Mickymaus“ oder „Fix und Foxi“, Entenhausen oder Fuxholzen. Walt Disneys Enten waren entschieden witziger, frecher und origineller als die Füchse von Rolf Kauka. Kein Zufall, dass die FF-Fans nie ein Dechiffriersyndikat vom Rang der Donaldisten hervorbrachten; außer ein paar abfälligen Bemerkungen über den „affirmativen“ Humor und das „Prinzip der Veronkelung“ sind keine seriösen Exegesen überliefert. Der verschnarchte Jugendjargon Lupos erreichte nie den Sprachwitz einer Erika Fuchs, und außerdem hatte Rolf Kauka, der „deutsche Walt Disney“, fast alles beim Vetter aus Amerika geklaut: Tick, Trick und Track standen Pate für Fix und Foxi, Lupo war ein Goofy in Latzhosen, Professor Knox der deutsche Daniel Düsentrieb. Selbst Walter Neugebauers Zeichenstil war, mehr schlecht als recht, Carl Barks nachempfunden. Nur die moralisch-pädagogischen Kolumnen eines erzreaktionären Pfeifenrauchers, der sich als „Onkel Rolf“ an uns Kinder heranwanzte, gab es bei Donald Duck nicht.

„Am dankbarsten als Stoff“, glaubte Kauka, „ist alles, was mit den Komplexen Geld, Hunger und Macht zusammenhängt. Hierunter fällt auch die Liebe, wobei erotische Liebe zu vermeiden ist.“ Irgendwann hielt dann doch die Liebe Einzug in Fuxholzen: Fix und Foxi wurden immer alberner, zeitgemäßer und erfolgloser. 1979 verkaufte Kauka sein Imperium an den Rastatter Pabel-Verlag und zog sich auf eine 5000-Hektar-Ranch nach Georgia zurück. Lupo verkam vollends zum Trottel, und so hatten die Computer-Kids Onkel Fax und seine anachronistischen Faxen bald endgültig dicke. 1994 wurde die erfolgreichste deutsche Comic-Serie nach 42 Jahren und 750 Millionen verkauften Heften eingestellt; ein Relaunch-Versuch von Ehapa vor fünf Jahren scheiterte kläglich.

Jetzt sind „Fix & Foxi“ wieder da. Seit kurzem liegt das neue Monatsheft (1,80 Euro, Auflage: 200000) in den Regalen; in zwei Jahren soll sogar ein Kinofilm folgen. Witwe Alexandra Kauka führt das Lebenswerk und auch die Kolumne ihres vor fünf Jahren verstorbenen Mannes fort. Allerdings sind beide kaum wiederzuerkennen. Rolf Kauka war ein bekennender Rechtsausleger, der das Lob von Ordnung, Sauberkeit und der „bewährten deutschen Kultur“ sang; in den 60er Jahren wurde ihm die deutsche „Asterix“-Lizenz entzogen, nachdem er aus dem kleinen Gallier eine Art Neonazi-Werwolf gemacht hatte.

Alexandra Kauka, ehemaliges Model und Galeristin, dagegen ist eine mondäne Dame aus der New Yorker High Society. Die gezeichneten Figuren selber sind nur behutsam geliftet; aber Lupinchen gibt, mittlerweile ohne Sommersprossen, hauptsächlich coole Diät- und „Trend-Tipps für Girls“.

Kindercomics sind heute Wundertüten; ohne beigepackte Gimmicks, Scherzartikel und Britney-Spears-Sammelbildchen lassen sie sich nicht mehr ans Kind bringen. Auch das neue „Fix & Foxi“ aus dem Hamburger Tigerpress Verlag gleicht mehr einer Kreuzung aus „Bravo“, Überraschungsei und „Sendung mit der Maus“. Wigald Boning, der Daniel Düsentrieb des Sat-1-Wissensmagazins „Clever“ verrät, warum Kekse weich, Brote aber hart werden. Ein Tiger erzählt vom süßen Leben bedrohter Arten: „Ey, Lupo, was geht? Don’t worry, ey. Füchse oder Wölfe hatte ich noch nie auf dem Speisezettel. Da hole ich mir lieber ein nices Reh.“ Allenfalls mit der tollen „3-D-Geisterjägerbrille“ kann man unter all den hippen Schleimmonstern und „Pimp-my-Fahrrad“-Tipps noch das alte Zentralorgan aller Pimpfe erkennen.

Das einzige neue „FF“-Abenteuer, ganze 14 von 68 Seiten, erinnert inhaltlich (es geht um intelligente Kühlschränke) wie sprachlich („Hasta la Pampe, Kühli“) mehr an „Star Wars“ oder vielmehr das neue „Asterix“, in dem ja auch Aliens vorkommen.

Das altklug-pfadfinderhafte Strebertum der Füchse war immer schon schwer erträglich. Lupinchen war eine dumme Petze, Oma Eusebia ein Drachen, Onkel Fax ein bräsiger Spießer. „Fix und Foxi haben mehr Herz als Mickymaus und seine Gesellen“, schwärmte Onkel Rolf. „Sie sind hoffnungslos normal. Jedes Kind kann sich mit ihnen identifizieren.“ Tatsächlich stand uns aber nur einer wirklich nahe: Lupo, der mit seinem gesunden Materialismus, seiner Gefräßigkeit und renitenten Faulheit immer auf seine große Schnauze oder auch Oma Eusebias Nudelholz fiel.

Der ewige Underdog und Überhund trägt noch immer gelbe Latzhosen und haust in seinem windschiefen Turm. Aber das Versprechen des deutschen Kauka-Statthalters Michael Semrad, Lupo werde wieder zu seinen Ursprüngen als „hinterhältiger Schlawiner“ zurückkehren, ist mit Vorsicht zu genießen. Die Zeiten sind auch auf dem Comic-Markt härter geworden. Semrad rühmt Fix und Foxi als „Sinnbild von Kameradschaft und sozialer Gerechtigkeit“; aber in Zeiten von Hartz IV gilt eher die alte Lupo-Weisheit „Wer sich nicht drückt, ist verrückt.“

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