Medien : „Eyn Schritt weyter“

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Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird seine wöchentliche Kolumne für die „Berliner Morgenpost“ (SpringerVerlag) auch künftig in der neuen Rechtschreibung abliefern. „Er wird sich selbstverständlich an die geltenden Beschlüsse der Kultusministerkonferenz halten“, sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer. Was der Verlag, der sich der alten Rechtschreibung verpflichtet fühlt, aus seinen Texten macht, weiß die Senatskanzlei noch nicht. „Das ist noch ungeklärt“, meinte Donnermeyer. Diese Angelegenheit mache „den ganzen Widersinn der neuen Rechtschreibdebatte deutlich“. za

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Sommerloch. Oder Sommer-Loch? Eine noch wundersamere Variante wäre Sommer Loch. Ganz ohne Bindestrich. „Ich tröste mich mit der Gewissheit, dass jede Rechtschreibreform in dem Ergebnis münden wird, dass man ,Sommerloch’ weiter zusammenschreibt“, sagte Jan-Hendrik Olbertz, Sachsen-Anhalts parteiloser Kultusminister. Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist, hat schon Kurt Tucholsky herausgefunden. tef

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Alleingänger gab’s schon mal: Die „Chicago Tribune“ verwendete ab 1934 eine vereinfachte englische Schreibung: Das Schriftbild sollte dem Lautbild angenähert werden. So wurde aus „rhyme“ „rime“, „leather“ zu „lether“ oder „through“ zu „thru“. Das Experiment währte immerhin bis 1975, dann hatte der neue Chefredakteur aus Australien genug: Irritierte Leser glaubten, dass die Redakteure der Rechtschreibung nicht mächtig seien. jms

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Die „taz“ erschien am Donnerstag in Kleinschreibung, nur die Satzanfänge und Eigennamen hatten große Anfangsbuchstaben. „Normalerweise sind die Meinungen der Leser bei einer Aktion wie dieser geteilt“, so Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur. „Diesmal sind sie einheitlich positiv.“ Man erwäge deshalb, dauerhaft zur Kleinschreibung überzugehen. jms

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Die Satirezeitschrift „Pardon“ will ab November zwei verschiedene Auflagen drucken, um alle Kundenwünsche zu erfüllen: die eine in neuer, die andere in alter Rechtschreibung. dpa

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Den Satire-Kollegen der „Titanic“ geht die Rücknahme der Reform nicht weit genug: „TITANICK gehet noch eyn Schrittleyn weyter und schreybet ab dem heutiglichen Tage im würklich klassischen Teutsch“, heißt es auf der Website des Satire-Magazins. Spürbar senkt sich auch das Witzniveau in Richtung Steinzeit: „Bitte schnallet Ihro Gnaden sich an für den Witze, wou Neidhart zum Artzte kümmet und das Häsigline zur Frouwe saget, dies seye ja auch gar keyne Mohrrübe.“ tef

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