Fackellauf-Abbruch : Manipuliert Peking Online-Umfragen?

Auf ihrer Homepage wollte die Tagesschau-Redaktion wissen: "Sollte der Fackellauf abgebrochen werden?". Dann fand die Redaktion heraus: Eine chinesische Kampagne ruft auf mehr als 7600 Webseiten dazu auf, die Befragung gezielt zu beeinflussen.

Theresa Hübner

So war das nicht geplant. Statt idyllischer Bilder vom Sportsgeist beseelter Menschen bestimmen weinende Tibeter, prügelnde Sicherheitskräfte und ein chaotischer Fackellauf die westliche Berichterstattung über die Olympiavorbereitungen. Die manipulierten chinesischen Medien dagegen, sparen negative Schlagzeilen gezielt aus. Aber nun macht Peking offensichtlich auch vor deutschen Medien nicht mehr Halt: Auf der Homepage tagesschau.de berichtet die ARD-Korrespondentin Petra Aldenrath darüber, wie das chinesische Regime versucht, das Ergebnis einer Umfrage unter den Nutzern der Homepage zu verfälschen.

Hintergrund ist eine ARD-Umfrage mit dem Titel: "Soll der Fackellauf abgebrochen werden oder nicht?". Aldenrath berichtet, dass das chinesische Volk auf mehr als 7600 Websites dazu aufgefordert wird, sich an der Umfrage des "größten offiziellen deutschen Fernsehprogramms" zu beteiligen.

Fachkundige Anleitung

Damit bei der Abstimmung das Häkchen auch an der richtigen Stelle gemacht wird, gibt es auf verschiedenen Websites fachkundige Unterstützung. Die genauen Anleitungen ermöglichen es dem Nutzer, an der Umfrage auch ohne Deutschkenntnisse teilzunehmen. Schritt für Schritt erfahren die chinesischen User, wie sie auf der Homepage zur Umfrage "Fackellauf abbrechen" gelangen. Die Anweisungen sind mehr als deutlich: "Klicken sie dann auf gar keinen Fall 'Ja', sondern 'Nein' an", wird der User angewiesen. Um sicherzugehen, dass die Umfrage nicht doch zur freien Meinungsäußerung genutzt wird heißt es: "Denken Sie dran, klicken Sie nichts Falsches an!"

Eines haben die Verantwortlichen bei der Übersetzung der Tagesschau-Umfrage allerdings übersehen: den Hinweis darauf, dass die Umfrage längst abgeschlossen ist. Die Redaktion der Tagesschau staunte nicht schlecht als sie bemerkte, dass die Umfrage seit Tagen noch immer fleißig angeklickt wurde. Der Versuch, die Befragung zu manipulieren war nach den Klickzahlen zu urteilen äußerst erfolgreich, denn die längst archivierte Seite wurde zeitweise sogar häufiger aufgerufen als die Startseite von tagesschau.de.

Einige Teilnehmer der Kampagne begnügten sich aber nicht mit bloßen Klicks. In zahlreichen, nach eigenen Angaben von Chinesen verfassten Mails, beschimpften die User die Redakteure: "Ich werde Ihre Webseite zerstören" und "Nieder mit Deutschland" ist der Tenor der Drohmails. Viele Beschimpfungen richten sich auch gegen die Bundesrepublik als Ganzes. Berichten von Exiltibetern zu Folge, wurden am Dienstag eine unbekannte Zahl tibetischer Mönche in einem Kloster nahe der tibetischen Hauptstadt Lhasa festgenommen. Sie hatten gegen eine "patriotisch Erziehungskampagne" der Behörden protestiert.

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