Medien : Familienkrach

Barbara Sichtermann

Sabine Christiansen. ARD. Man denkt ja, allmählich sei das Thema gegessen und die Sache klar: Wer mehr Kinder will, muss Betreuung bieten, auch und gerade für die Kleinsten. Also geht unsere Familienministerin daran, Nägel mit Köppen zu machen und richtig viele Krippenplätze einrichten zu wollen. Und schon gibt es wieder einen Aufschrei. Der Augsburger Bischof Mixa lehnt sich aus dem Fenster und behauptet, von der Leyens Politik mache aus Frauen Gebärmaschinen. Wie bitte? Bei „Sabine Christiansen“ durfte er sich erklären.

Man hatte ja seinen Ohren nicht getraut. Zu Gebärmaschinen werden Frauen doch dann erniedrigt, wenn man ihnen nichts anderes zutraut als Kinderkriegen. Von der Leyen und der aufgeklärte Mainstream hierzulande denkt und will das Gegenteil: Frauen die Berufstätigkeit ermöglichen und zugleich die Erfüllung eines Kinderwunsches. Wo bleibt da die Maschine? Der Bischof erläuterte. Er wolle die Ausnahme nicht zur Regel machen. Auch die Kanzlerin habe jüngst gesagt, der Krippenplatz sei nicht der beste Platz fürs Kind. Im Klartext: Die Krippe ist eine Notlösung und soll es bleiben. Bloß die außerhäusige Betreuung nicht aufwerten und womöglich Mütter durch geldliche Anreize von ihrem Stammplatz an der Wiege weglocken. Mit in dieses Horn stießen Unternehmer Wolfgang Grupp, der in Gestalt seiner Frau immer für die Familie da ist, und Soziologin Gabriele Kuby, die zu berichten wusste, dass im krippenfreundlichen Schweden jedes dritte Kind gestört sei. Eine verhalten fortschrittliche Position nahmen die Mutter und TV-Frau Margarete Schreinemakers und die Unternehmerin Sabine Gütt ein, unterstützt von NRW-Familienminister Armin Laschet (CDU), der immerhin von der Wirtschaft forderte, sich familienfreundlicher zu verhalten. Sehr stark machten sich diese drei für die neue (überfällige) Familienpolitik aber nicht. Stattdessen bewunderten sie wortreich die Entscheidung der deutschen Hausfrauenmütter, „eine Karriere zu Hause zu machen“ und „ganz“ für ihre Kinder da zu sein. Woraufhin der Bischof animiert zustimmen konnte.

Es blieb Sabine Christiansen vorbehalten, bei diesem „Familienkrach“ – vor allem durch den Verweis auf Frankreich – dafür zu sorgen, dass die Debatte ein wenig Fühlung mit der Realität aufnahm und nicht gänzlich in Ideologie und Phrase versank. Und klar geworden ist jetzt auch, was der Bischof mit der „Gebärmaschine“ gemeint hat. Eine Frau, die ein Kind zur Welt gebracht hat und gleich darauf wieder ins Büro eilt, ist für ihn eine Art Maschine. Dass so eine Frau an ihrem Arbeitsplatz glücklich ist und ihren Beruf liebt, und dass eine Krippenerzieherin das Baby bestens betreuen kann, kommt in seinem Weltbild nicht vor.

Dabei ist die Institution der Kinderfrau so alt wie die Welt. Nur: Heute wäre sie zu teuer. Da kann und muss der Staat mit der Krippe einspringen. So einfach ist das im Grunde.

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