Fashion Week : Der Teufel trägt Tolle

Suzy Menkes besucht erstmals die Fashion Week.

Elisabeth Binder

Suzy Menkes sieht wirklich nicht aus wie eine Mode-Ikone. Zur schwarzen Strickhose trägt die füllige Engländerin einen weißen, lustig geblümten Mantel und goldene Sandalen, in denen hellblau lackierte Zehen stecken. Ihre berühmte Witwe-Bolte-Tolle trägt sie auch im rotbraunen Haar. Seit zwanzig Jahren schreibt die Mutter von drei erwachsenen Söhnen praktisch alles, was in der „International Herald Tribune“ (IHT) über Mode steht und ist darüber zu einer globalen Instanz geworden, ähnlich wie Anna Wintour, die aus „Der Teufel trägt Prada“ bekannte Chefredakteurin der „Vogue“. Mit Anna Wintour sei Menkes auch gut befreundet, weiß die deutsche Chefredakteurin der „Vogue“, Christiane Arp.

Suzy Menkes ist zum ersten Mal zur Fashion Week nach Berlin gekommen und nutzt das, um in der Sponsorenlounge im weißen Zelt auf dem Bebelplatz eine internationale Konferenz anzukündigen, die jährlich von der „IHT“ ausgerichtet wird und auf ihren Wunsch hin zum ersten Mal in Berlin stattfindet. Viele junge Journalisten in schwarzen Klamotten drängen sich um die 65-jährige Großmutter mit dem freundlichen, runden Gesicht, die mit leiser Stimme gegen die laute Musik aus den Lautsprechern anspricht. Sie sei zum allerersten Mal bei der Fashion Week. Das Motto der „International Herald Tribune Business Conference“ für führende Vertreter aus der Wirtschaft und der Kreativbranche ist „Techno Luxury Berlin 2009“. Erwartet werden zwischen 400 und 500 Teilnehmern aus 40 Ländern. Die Konferenz soll am 17. und 18. November im Hotel Ritz-Carlton stattfinden. Es soll vor allem auch um den Einfluss von Technologie auf Luxuswaren gehen, auf Stoffe und Vertriebsgeschwindigkeit zum Beispiel. Ein Vortrag soll sich auch mit dem Einfluss von Techno-Musik auf die Mode befassen. Auf der Rednerliste stehen neben Claudia Schiffer zum Beispiel die Kreativdirektoren von Gucci und Burberry. Im letzten Jahr fand die Konferenz in Indien statt. Dort ging es um Nachhaltigkeit, auch in der Mode. Das ist einer der Gründe, warum Suzy Menkes Berlin für einen idealen Austragungsort hält, weil hier grüne Mode eine Rolle spielt. Aus ihrer Sicht ist es völlig unverständlich, dass die Mode den Bio-Nahrungsmitteln so weit hinterherhinkt.

Rund 600 Modeschauen sieht Suzy Menkes im Jahr, aber in Berlin will sie sich nicht darauf beschränken, will viel durch die Straßen gehen, schauen, was die Leute in der Hauptstadt tragen. Mode funktioniere nämlich nur dann, wenn sie vom Laufsteg auch tatsächlich auf die Straße gelangt. Diese Stadt sei ein „happening place“ sagt sie, ein Ort, an dem Dinge passieren. Außerdem sei sie Mittelpunkt einer Region, die in der Modewelt künftig an Bedeutung gewinnen könne. Sie glaubt, dass sich in Osteuropa noch viele Talente verbergen. 

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