FC Bayern : 20 Freunde müsst ihr sein

Die Medienarbeit des FC Bayern sorgt für Aufregung: Der Verein wird in Zukunft nur mit Redaktionen seiner Wahl zusammenarbeiten.

Markus Ehrenberg
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Möglichst Ruhe: Jürgen Klinsmann ist kein Freund der "Bild"-Zeitung. -Foto: ddp

"Der FC Bayern plant eine Medienrevolution", "Wir machen es wie im Weißen Haus", "Wir reden nicht mit jedem.“ Mitten hinein in eine Ruhephase nach dem Medienhype um Jürgen Klinsmann produziert der FC Bayern neue Schlagzeilen. Der Club soll erwägen, einige handverlesene Redaktionen in Deutschland bevorzugt zu behandeln, um der immer diffuser werdenden Außendarstellung Herr zu werden. Wilde Spekulationen – vor allem in den Münchner Boulevardzeitungen „Bild“, „tz“ und „AZ“ – um Eskapaden von Bayern-Stars, die Abmahnung Oliver Kahns oder die Hitzfeld-Nachfolge hatten zuletzt nicht gerade Ruhe in den Verein gebracht. Das soll in der Form bald unmöglich sein. Laut „FAZ“ arbeitet der Club an einer „internen Erstellung von sogenannten FCB-Medien mit Priorität“. Unter Berücksichtigung von Kriterien wie „Fairness“ und „Größe/Auflage“ sollen maximal 20 Redaktionen ausgewählt werden, mit denen die Bayern in Zukunft eng zusammenarbeiten wollen. Einer der Gründe sei eine nicht mehr zu bewältigende Flut an Interviewanfragen. Der Verein wollte diese Überlegungen bislang weder bestätigen noch dementieren.

Eine Art Maulkorb? Unkritische Journalisten bevorzugt? Wohin kann das führen? Die Aufregung ist groß. „Aufgrund der Ereignisse zwischen FC Bayern und den Medien in den vergangenen Monaten kann ich Gedanken zum Thema bessere Öffentlichkeitsarbeit durchaus nachvollziehen“, sagt Erich Laaser, Sat1-Kommentator und Präsident vom Verband deutscher Sportjournalisten (VDS). Wenn das aber ohne Rücksprache mit dem VDS und Münchner Journalisten durchgezogen werde, sei diese Art von Journalistenselektion nicht tolerierbar. Auch in Münchner Zeitungsredaktionen herrscht eine gewisse Irritation über die zukünftige Medienpolitik des wichtigsten deutschen Clubs. Was „Fairness“ sei, müsse ja erst noch definiert werden. Besonders erstaunt ist man darüber, dass die „Medienrevolution“ offenbar ohne Beteiligung der Medien vonstatten zu gehen scheint, auch wenn viele Journalisten spätestens nach der Verpflichtung des medienscheuen Jürgen Klinsmann damit gerechnet haben, das da etwas kommt. Vor ein paar Wochen soll von seiten des Bayern-Managements aber wenigstens noch von einem „runden Tisch“ die Rede gewesen sein.

Den gibt es nicht. Und mit der neuen Geschäftsstelle des FC Bayern, die ab Sommer in Betrieb gehen soll, dürfte sich der Kontakt zwischen Medien und Bayernstars eh’ aufs Notwendigste beschränken. Von der Tiefgarage führt ein direkter Weg in die Kabine. Keine Fragen, keine Kameras, keine Flucht an Fans und Pressemeute vorbei vom Auto zum Eingang. Stille, wie auf Anlagen großer Clubs in Italien oder England. Insider vermuten, dass Exklusivinterviews mit Luca Toni oder Franck Ribéry irgendwann nur noch auf der Vereins-Website zu finden sind. Dort stand auch schon die Klinsmann-News zuerst. Bleibt die Frage, wer die drei Bayern-Lautsprecher Rummenigge, Hoeneß und Beckenbauer kontrolliert. 

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