Fehlbetrag in Millionenhöhe : Berlin-Umzug belastet dpa

Die größte deutsche Nachrichtenagentur schreibt 2009 erstmals rote Zahlen. Grund für den Umsatzrückgang ist jedoch nicht allein die Gründung der Zentralredaktion.

Noch ist die neue Zentralredaktion der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin nicht eröffnet, doch schon jetzt steht fest, dass die Agentur durch den Umzug von Hamburg in die Hauptstadt belastet wird. Wegen des Großprojekts schreibt sie im Geschäftsjahr rote Zahlen, unter dem Strich fällt ein Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro an.

So steht es im Jahresbericht, den die dpa am Mittwoch vorgelegt hat. Malte von Trotha, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung, sagte: „Bereinigt um die Kosten für den Umzug läge das Ergebnis um 7,7 Millionen Euro besser – es ergäbe sich ein Jahresüberschuss.“ Angesichts dieser Zahl sei 2009 „als erfolgreiches, als wegweisendes Jahr für die dpa“ zu bewerten.

Am 15. September 2010 will die dpa ihre neue Zentralredaktion in Berlin offiziell eröffnen. 218 Angestellte seien von dem Umzug der Büros in Hamburg und Frankfurt am Main betroffen. 64 Mitarbeitende hätten den Umzug nicht mitgemacht. Bild-, Audio- und Videoredaktionen sowie das Berliner Büro seien bereits umgezogen, die Hamburger Textredaktion werde jetzt folgen, die Sportredaktion dann nach der Fußball-Weltmeisterschaft. In Hamburg verbleibe unter anderem die Geschäftsführung und der Vertrieb mit rund 300 Mitarbeitenden.

Mit dem Umzug nach Berlin sei eine umfassenden Erneuerung verbunden, sagte Chefredakteur Wolfgang Büchner. Dazu gehöre auch ein „Entstaubungsprogramm“ für die Texte, um eine „gestanzte Agentursprache“ zu vermeiden. Die „neue dpa“ arbeite über Ressort- und Mediengrenzen hinweg. Qualität, Navigation und Dialog mit den Kunden sind laut Büchner die zentralen Themen des dpa-Relaunchs. Parallel wachse die dpa in Hamburg als „Lösungs-dpa“ mit ihren Kompetenzen in der technischen Dienstleistung oder bei Branchenlösungen, erklärte von Trotha.

Michael Segbers, als Geschäftsführer zuständig für Marketing und Vertrieb, beurteilte die aktuelle Marktsituation positiv: „Wir haben mit mehreren Großkunden neue, langfristige Verträge schließen können und ansonsten unseren Kundenbestand gehalten.“ Bei den Profildiensten und im Ausland sei sogar ein Ausbau gelungen. Die Essener WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Westfalenpost“) jedoch hat ihren Vertrag mit der dpa gekündigt. Vor allem deswegen sei der Umsatz der dpa 2009 um 4,1 Prozent oder 3,8 Millionen Euro auf 90,3 Millionen Euro.

Im Hinblick auf weitere geplante Investitionen gehe die Geschäftsführung davon aus, „dass 2010 insgesamt mit einem erneut verbesserten, aber noch negativen Ergebnis abgeschlossen werden kann“, sagte von Trotha. Mit der Rückkehr in die schwarzen Zahlen rechne dpa im Jahr 2011. Tsp/epd/dpa

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