Fernseh-Reise : Diesseits von Afrika

Eine TV-Dokumentation begleitet Henning Mankell auf einer Reise durch den schwarzen Kontinent.

Simone Schellhammer
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Genetische Erinnerung. Henning Mankell (l.) trifft den Sänger Salif Keita. Foto: ZDF

Er stehe „mit dem einen Fuß im Schnee und mit dem anderen im Sand“, sagt Henning Mankell über sich. Der millionenfach gelesene schwedische Schriftsteller verbringt seit 30 Jahren einen Teil seines Lebens in seiner zweiten Heimat Afrika. Er hat Romane darüber geschrieben, und in Mabuto in Mosambik führt er seit 1986 ein Theater. Wo immer es geht, macht er leidenschaftlich auf Probleme wie Aids oder Analphabetismus aufmerksam. Als er vor 40 Jahren zum ersten Mal den Kontinent bereiste, habe es sich für ihn angefühlt, als ob er nach Hause käme: „Ich glaube, es gibt eine Art genetische Erinnerung. Schließlich stammen wir alle aus Afrika.“

Schon oft seien Filmemacher wegen eines Afrikaprojekts an ihn herangetreten. „Doch meistens war mir das zu oberflächlich“, sagt der 61-Jährige, der zum Großteil die Medien dafür verantwortlich macht, dass die Welt ein falsches Bild von diesem Kontinent hat. „Wir sehen ständig, wie Afrika stirbt, aber nicht, wie es lebt.“ ZDF-Autor Jens Monath konnte den manchmal etwas griesgrämigen Künstler zu einer Reise durch fünf der 54 afrikanischen Staaten überreden. Überzeugt habe ihn die differenzierte Herangehensweise. „Es ist der Versuch, ein anderes Bild von Afrika zu zeichnen“, sagt Mankell. Begleitet wird er von Dunja Hayali, Ko-Moderatorin im ZDF-„heute-journal“.

Die sechswöchige Reise führt nach Mali, Senegal, Malawi, Uganda und Mosambik. Unter den Personen, die die beiden treffen, sind eine Modedesignerin, die ihren Landsleuten in Dakar eine Perspektive geben will, ein ehemaliger senegalesischer Menschenschlepper, der eine Organisation von Müttern unterstützt, die die Flucht ihrer Söhne verhindern will, und eine aidskranke Lehrerin in Uganda, die vier Kinder verloren hat und für ihre Pflegetochter ein „Memory Book“ schreibt. Die Begegnungen sind sehr kurz, manchmal etwas übergriffig, und die Botschaft schnell klar: Hier tut sich etwas, trotz all des Elends. Gleichzeitig wird im Off-Text die Schönheit und Weisheit Afrikas beschworen. Die Bilder von Kameramann Thomas Piechowski sind beeindruckend. Doch offenbar wollte man sich nicht darauf verlassen und benutzte dramatische Rückblenden, Farbfilter und nachgestellte Szenen, um Pathos zu erzeugen. Echte Nähe zu den Protagonisten entsteht dadurch allerdings nicht. Eine tolle Entdeckung: der malische Musiker Salif Keita.

Auf merkwürdige Weise wirken Hayali und auch Mankell in seinen Ethnohemden ein bisschen wie Touristen und nicht wie Entdeckungsreisende, denen es um tiefere Einblick geht. Der Zweiteiler ist sicherlich gut gemeint, bleibt aber an der Oberfläche. Vielleicht muss das angesichts des Sendeplatzes so sein. Der erste Teil tritt gegen Krimi-, Familienserien, Dokusoaps und Komödien bei den anderen Sendern an. Dennoch hätte man gerade mit einem Zugpferd wie Henning Mankell etwas Anpruchsvolleres wagen können.Simone Schellhammer

„Mein Herz schlägt in Afrika“, ZDF, 20 Uhr 15, zweiter Teil: 5. Mai

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