FERNSEH Tipps : Ein Krimi sucht seine Helden

„Der letzte Zeuge“: Nach Gesine Cukrowski geht jetzt auch Jörg Gudzuhn

Henrike Thomsen,Markus Ehrenberg

Der Novembermann – Regie: Jobst Oetzmann, ARD, 20 Uhr 15. Das bereits im Sommer auf Arte ausgestrahlte Psychodrama um zwei ungleiche Männer, die jahrelang dieselbe Frau geliebt haben. Eine Art Kammerspiel, größtenteils inszeniert auf Sylt, hervorragend besetzt mit Götz George als blindem Geliebten, Burghart Klaußner als betrogenem Pfarrer und Ehemann sowie Barbara Auer. Desperate Housewives, ProSieben, 20 Uhr 15. Serienfans werden sich wohl kaum die vorerst letzte Folge der US-Edel-Serie mit einer unvorhergesehenen Doppelhochzeit entgehen lassen. Derzeit streiken ja die US-Autoren, die Dreharbeiten ruhen. Ungefährdet ist aber die Fortsetzung mit der vierten Staffel, die ab Februar ausgestrahlt werden soll. Tsp

„Etwas brummig, aber durchaus liebenswert, mit Ecken und Kanten, mit Berliner Charme“ – so hat Jörg Gudzuhn einmal Joe Hoffer, den Kollegen von Dr. Kolmaar charakterisiert, den er seit neun Jahren an der Seite von Ulrich Mühe im ZDF-Krimi „Der letzte Zeuge“ verkörpert. Millionen Serien-Fans werden dieses Brummen möglicherweise bald vermissen: „Ich bin ausgestiegen“, sagte Gudzuhn auf Anfrage des Tagesspiegels. Zuvor hatte mit Gesine Cukrowski bereits ein anderes wichtiges Ensemblemitglied seinen Abschied erklärt. „Aus Zuneigung, Freundschaft und Respekt“ vor dem im Sommer verstorbenen Mühe werde sie nicht weiter für den weiblichen Part des Pathologen-Duos Kolmaar und Sommer zur Verfügung stehen.

Ähnlich begründet nun auch Gudzuhn seine Entscheidung nach Mühes Tod: „Er war für mich der letzte Zeuge. Das kann man in einer anderen Konstellation nicht wiederholen, schon gar nicht in einer Sendung mit dem gleichen Titel. Die Serie war sehr erfolgreich, das kann man auch mal so stehen lassen.“ Eine Abschiedsfolge zu drehen, könne er sich noch vorstellen. Das endgültige Aus für den „letzten Zeugen“ scheint das aber nicht zu bedeuten. Beim ZDF gibt man sich erstaunlich gelassen: „Jörg Gudzuhn wollte in den letzten Jahren immer wieder aussteigen, das ist kein neues Thema für uns“, sagte Redaktionsleiter Christof Königstein. Bis Ende des Jahres sendet das ZDF die 72 Folgen der seit 1998 laufenden Serie. Ende Januar soll ein neues Konzept vorliegen, damit man 2008 wieder drehen kann. „Wir sind am Überlegen und Verhandeln, welche neuen Schauspieler passen könnten. Wir denken auch an Gesichter, die im Fernsehen ganz unbekannt sind“, so Königstein.

Bekannt ist Dieter Mann, der Vierte im Bunde beim „letzten Zeugen“, neben Mühe, Cukrowski und Gudzuhn. „Ich bleibe dabei, wenn sie wieder eine vernünftige Rolle daraus machen“, sagte Mann dem Tagesspiegel. Mann spielt bisher den Institutsleiter der Gerichtsmedizin, Professor Bondzio, Kolmaars Vorgesetzten. Er wolle keine Hauptrolle, so Mann, aber inzwischen sei seine Figur so minimiert, dass sie keine eigene Farbe oder hübsche eigene Momente mehr habe: „Dafür weiter mein Geld abzuholen, fände ich zynisch.“ Mann, Gudzuhn und Mühe verband eine künstlerische Beziehung lange vor Serienstart. Die beiden letzteren waren als Schauspieler am Deutschen Theater engagiert, als Mann dort Intendant war, und hatten 1989 in Heiner Müllers berühmter Inszenierung von „Hamlet / Maschine“ gespielt. Jörg Gudzuhn ist bis heute im DT-Ensemble.

Da sieht der Schauspieler 2008 offenbar seine Hauptaufgabe. Das ZDF will aber trotz des möglichen Ensemble-Schwunds am Format festhalten. „Wenn wir das neue Konzept haben, wollen wir uns mit allen Beteiligten an den Tisch setzen und auch versuchen, Gudzuhn umzustimmen“, sagt Königstein. Unklar ist, ob Drehbuchautor Gregor Edelmann langfristig weitermachen wird. Bei einer Fortsetzung soll Ulrich Mühe als Dr. Robert Kolmaar in der nächsten Folge auf jeden Fall beerdigt werden, so wurde Edelmann in der „Bild“-Zeitung zitiert: „Ich habe mich für die Friedhof-Szene entschieden, als ich wusste, dass Ulrich nicht zurück an den Set kommt. Ich glaube, dass er es so und nicht anders gewollt hätte.“ An anderer Stelle soll sich der Autor auch schon dahingehend geäußert haben, dass es für ihn ohne Mühe nicht weitergehen könne. Für das ZDF hingegen ist der mehrfach ausgezeichnete Autor weiter mit im Boot. Man darf gespannt sein, welche Personalie in Sachen „Der letzte Zeuge“ als nächstes gehandelt wird.

„Der letzte Zeuge“,

Freitag, ZDF, 21 Uhr 15

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