Medien : Fernseh-Wettkuppeln: Millionär kannte seine Braut

Joachim Huber

Der Verdacht, bei der RTL-Show "Ich heirate einen Millionär" sei betrogen worden, hat sich bestätigt. Der Millionär Thomas Tepe, 47, und seine Auserwählte, Gerti Friedrichs, 37, kannten sich bereits vor der Ausstrahlung der Sendung am Mittwoch. Dies teilte RTL am Freitag mit. Dem Sender liege eine eidesstattliche Versicherung Tepes vor, in der er angebe, Gerti Friedrichs bereits am 2. Dezember vergangenen Jahres in Kaltenkirchen bei Hamburg kennengelernt zu haben.

"Wir sind von Herrn Tepe und Frau Friedrichs getäuscht worden", sagte RTL-Unterhaltungschef Matthias Alberti. "Herr Tepe hat gegen die mit der Produktionsfirma am 5. August und 18. Dezember geschlossenen Verträge verstoßen. Wir bedauern den Vorfall außerordentlich und entschuldigen uns in aller Form bei den Kandidatinnen und den Zuschauern." Das Paar war am Donnerstag in einen Zehn-Tage-Urlaub nach Florida gereist. Beide müssen jetzt umgehend die Heimreise antreten. Auch an der Höhe des Tepe-Vermögens sind Zweifel aufgekommen. In verschiedenen Medienberichten heißt es, er habe offiziell erklärt, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. Hier allerdings beharrt RTL auf dessen "Millionärs"-Status: "RTL liegt ein Gutachten der STB Treuhand Steuerberatungsgesellschaft mbh vor, aus dem eindeutig hervorgeht, dass Herr Tepe über ein Vermögen in Millionenhöhe verfügt".

Sat 1 triumphiert. Der Berliner Privatsender hatte die Kuppelshow bereits zwei Mal verschoben - laut Sprecher Dieter Zurstraßen "immer vor dem Hintergrund unseres Anspruches, unserer Seriosität". Sat 1 hatte die Show-Premiere für diesen Sonntag angekündigt, war aber von RTL mit der Sendung vom Mittwoch überrascht worden. Jetzt sind die Schnellen aus Köln die Doofen. Zurstraßen räumt ein, dass nach dem "absoluten Beschiss" von RTL sein Sender unter erhöhtem Druck stehe, was die Wahrhaftigkeit angehe. "Unser Produzent Endemol hat nochmals gecheckt, dass der Millionär wirklich Millionär ist und keine der Kandidatinnen kennt." Laut dem neuerlichen "Millionärs-Test" sei der Mann aus dem Computerbereich gar ein Multimillionär. "Ein finanziell sorgenfreies Leben ist garantiert", wusste Zurstraßen. Sollte er, was der Sprecher ausschloss, dennoch gegen "Vertragsbedingungen verstoßen, droht ihm eine Konventionalstrafe in fünfstelliger Höhe". Für einen Millionär ein Betrag aus der Portokasse, zumal ihm die Frau fürs Leben oder doch zumindest für einen Lebensabschnitt winkt.

Wie sehr Sat 1 der Vorwurf der Verschlafenheit unter die Haut gegangen ist, zeigt die Tatsache, dass der Sender selbst einen Zeugen präsentierte, der Tepe und Friedrichs als "alte Bekannte" outete. Wenn es um Millionäre, Millionen Zuschauer und Millionen Werbeeinnahmen geht, wird das Privatfernsehen zickig.

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