Fernsehen : "Bernd das Brot" ist wieder da

Vor acht Jahren lief im Kinderkanal "Bernd das Brot" an. Eine Fantasiefigur, erfunden von Tommy Krappweis und ein Riesenerfolg. Das verlangte nach Fortsetzung. Heute ist Premiere für 20 neue Folgen.

Tim Klimeš
bernd das brot
Brot und Bäcker. Bernd und sein Erfinder Tommy Krappweis. -Foto: Promo

Manchmal, sagt er, würden ihn junge Comedians behandeln, wie er früher nur Karl Dall oder Rudi Carrell behandelt hätte. Als eine Art „Comedy-Urgestein“, dabei ist er gerade mal 35. Als Autor und Darsteller war Tommy Krappweis Mitte der 90er Jahre für die „RTL Samstag Nacht“ aktiv. Dort erfand er Sketche mit Namen wie „Extreme Bud Spencer Terence Hilling“ oder „Extreme Pantomiming“. Das ist die eine, vergangene Geschichte von Tommy Krappweis. Die andere, aktuelle Geschichte beginnt im Jahr 2000 mit einer ungelenken Zeichnung auf einer Serviette. Damals erhielt der ehemalige Stuntman, Drehbuchautor, Produzent und RTL-Komiker vom öffentlich-rechtlichen Kinderkanal den Auftrag, eine Comedyserie zu entwickeln. „Am liebsten mit Puppen“, hieß es. „Wir wollten ein neues Konzept und haben uns in der Szene nach kreativen Köpfen umgesehen“, sagt Carsten Schulte, verantwortlicher Kika-Redakteur beim Kinderkanal, „und landeten dann bei Tommy Krappweis und seinen Kollegen.“

Ende März 2000 lief im Kinderkanal die sogenannte „Nachtschleife“ mit „Bernd das Brot“ an. Eine Fantasiefigur, erfunden von Tommy Krappweis. Ein Riesenerfolg. Das verlangte nach Fortsetzung. Heute ist Premiere für 20 neue Folgen, produziert in Berlin-Adlershof. Es ist das mittlerweile neunte TV-Projekt mit dem mürrischen Kastenbrot, seinen Freunden Chili (ein hyperaktives Stunt-Schaf) und Briegel (ein Busch und Erfinder) sowie ungebetenen Gästen in der Schlossallee 27.

Seitdem das Brot im Jahr 2000 erstmals auf dem Bildschirm auftauchte, hat sich eine wahnwitzige Fangemeinde gebildet. Krappweis‘ Team produzierte mittlerweile eine ganze Brot-CD, außerdem liefen mehrere TV-Events zur Hauptsendezeit im Kinderkanal. In der Begründung der Jury für den Grimme-Preis 2004 liest sich der Brot-Erfolg wie Deutschlands letzte Chance: „Inmitten einer grellen Fun-Event-Kultur mit lauter gehypten Mega-Emotion-Shows nimmt sich Bernd das Brot das Recht auf schlechte Laune.“ Das ist Manna für diejenigen, „die nicht mitmachen wollen beim Dauergrinsen.“ Bernd das Brot als bundesdeutscher Therapeut. „Mist“, würde der Krusten-Misanthrop dazu sagen.

Nachdem der Kinderkanal Krappweis angesprochen hatte, saß er um die Jahrtausendwende mit seinem „Bumm Film“-Kollegen Norman Cöster zusammen; sie überlegten, wie das gewünschte Format aussehen könnte. „Am liebsten mit Puppen“ hatten die Verantwortlichen gesagt – ein Kindheitstraum von Krappweis. Schon als Junge habe er die „Augsburger Puppenkiste“ aufgesaugt, die „Muppet-Show geliebt“, sagt er heute.

Krappweis zeichnete das Kastenbrot damals nach der menschlichen Vorlage seines Kompagnon Cöster: ein ähnlicher Gesichtsausdruck, der genervte Blick. Auch die beiden anderen Figuren, Chili das Schaf und Briegel der Busch, wurden durch Mitglieder des Produzententeams inspiriert. Das Ganze wurde als modernes Kasperltheater angelegt, wie bestellt.

Die Figuren seien mittlerweile wichtig für den KiKa, sagt Carsten Schulte. „Weil sie drei der wenigen KiKa-eigenen Figuren sind. Die Biene Maja, Tabaluga, der Rabe Rudi, all die anderen Serien des Kinderkanals wären eingekaufte Produkte. Chili, Briegel und Bernd geben dem Spartensender ein Profil. „Identitätsstiftend für den Sender“, nennt sie Schulte. Alle würden gucken, ob jung oder alt, das wisse man aus Zuschauererhebungen. Und alle würden unterschiedlich mit den Folgen umgehen. Während es für die Kleinen „Schulhofthema“ sei, machten die Größeren einen „Kult“ daraus, stellten die Videos ins Internet, gründeten Fanforen. „Nicht alle müssen an denselben Stellen lachen“, sagt Tommy Krappweis. Aber alle müssen lachen. So amüsieren sich die Kleinen, wenn die Fantasiefigur auf die Nase fällt, die Erwachsenen schmunzeln, wenn Bernd das Brot in Call-in-Manier abstruse Produkte im Verkaufsfernsehen feilbietet – und damit ein ganzes Genre hops nimmt.

Anfang 2006 liefen die „Berndivents“, alte Filmklassiker mit dem Brot als Hauptdarsteller („Brot im Orient Express“, „King Brot“). Das Ganze lief um 20 Uhr 15, eigentlich eine ungewöhnliche Zeit für den Kinderkanal – es lief für die Erwachsenen. „Bernd das Brot“ ist eben Familienkonsens. Fehlt nur noch, dass der Kasten „Wetten, dass...?“ moderiert.

„Bernd das Brot“, 20 Uhr 15, Kika

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