Fernsehen, das wehtut : „Stadl“, heilige Kühe, Silbereisen

Erst sollte der "Musikantenstadl" geschlossen werden, dann wollte sich die ARD verjüngen. Und was passiert wirklich? Florian Silbereisen lädt zum "Adventsfest der 100 000 Lichter".

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Gunsthandwerker? Florian Silbereisen spaltet, wo er versöhnen will.Foto: MDR
Gunsthandwerker? Florian Silbereisen spaltet, wo er versöhnen will.Foto: MDRFoto: MDR/Andreas Lander

Nicht einmal, nein, zweimal gab es in dieser Woche Hoffnung. Dass sich die ARD nun endlich einer Verjüngungskur unterziehen wolle, und dass der „Musikantenstadl“ geschlossen werde. Hoffnung I durfte sich aus der ARD-Intendantensitzung ableiten, Hoffnung II aus Berichten in Schweizer Fernsehzeitschriften. Da hatte gestanden, dass der „Stadl“ 2014 abgesetzt werde. Der Bayerische Rundfunk, der die Musikshow zusammen mit dem österreichischen ORF und dem Schweizer SRF produziert, dementierte die frohe Botschaft so heftig und so entschieden, dass 2014 vielleicht die Welt untergeht, nicht aber diese tümliche Mischung aus angeblicher Volksmusik zwischen Halb- und Vollplayback (Kastelruther Spatzen!) und vorgeblicher Volksbelustigung (Moderator Andy Borg in High Heels). Und auch die Inder bleiben nicht länger verschont: In zwei Jahren wird die Show zu den heiligen Kühen exportiert.

Solange der „Musikantenstadl“ nicht geschlossen ist, ist die Verjüngungsfrage im Ersten offen. Im Jahresschnitt 2012 erreichte die Sendung bei sinkenden Quoten 4,58 Millionen Zuschauer, nur 360 000 waren jünger als 49 Jahre. Das sind bedrohliche Zahlen, nicht aber für eine ARD, die gerade in den Jungbrunnen klettert. Heute Abend kredenzt Florian Silbereisen „Das Adventsfest der 100 000 Lichter“. Fleißig wird der Kunstschnee in Suhl rieseln, wenn der Moderator das Friedenslicht aus der Geburtsgrotte in Bethlehem erwartet. Warum kann ich mich darauf nicht freuen? Warum glaube ich, dass die Hoffnung auf besseres Fernsehen in der ARD am Samstag um 20 Uhr 15 stirbt? Joachim Huber

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