Fernsehen : Das Wunder von Wien

Witziges TV-Spektakel: Das österreichische Staatsfernsehen zeigt in einer fiktiven Dokumentation, wie Österreich bei der Europameisterschaft in diesem Jahr am Ende als strahlender Sieger dasteht.

Schön anzuschauen waren die Partien nicht. Stets war Österreich die klar unterlegene Mannschaft, aber immer wieder hatte die Heimmannschaft einfach Glück – ein Stürmer nudelte den Ball ins gegnerische Gehäuse und Österreich gewann. Knapp. Glücklich. Unverdient. Jedes Mal. Aber das interessierte niemand wirklich, denn Österreich spielte sich in einen Taumel. Erst überstand die Truppe die Vorrunde, zog dann ins Halbfinale ein, kam ins Finale, und schließlich wurde das Team nach einem knappen Sieg gegen die Niederlande am 29. Juni 2008 sensationell Europameister.

All das ist im Fernsehen zu sehen, und der Tag der Ausstrahlung der angeblichen Dokumentation zeigt bereits, dass dieser Euro-Verlauf Quatsch ist. Das fiktionale TV-Spektakel mit dem Titel „Das Wunder von Wien“ läuft heute im österreichischen Staatsfernsehen ORF1 (22 Uhr 35) – einen Tag vor dem Eröffnungsmatch der Euro 08. Und dennoch ist das TV-Spektakel vielleicht der originellste Beitrag, den Österreich zur Fußball-EM leistet. Ihren Witz bezieht die Doku, bei der der Österreicher David Schalko Regie geführt hat, nicht nur aus dem verwegenen Turnier-Verlauf – sondern vor allem daraus, dass Schalko verblüffend viele Mitstreiter fand, die bei seiner Posse mitmachten.

Neben dem österreichischen Teamchef Josef Hickersberger und seinem Assistenten Andreas Herzog erinnern sich die Teamchefs von Polen, Leo Beenhakker und Kroatien, Slaven Bilic, an Österreichs Weg durch die Euro. Franz Beckenbauer analysiert das Fußballwunder ebenso wie Karl-Heinz Rummenigge, Gerhard Delling und Günter Netzer. Brüllend komisch sind vor allem jene Szenen, in denen Herbert Prohaska auftritt. Prohaska, einst selbst Teamchef, gibt im österreichischen Fernsehen den Günter Netzer für Arme. In „Das Wunder von Wien“ feiert er mit seinem Co-Moderator und mehreren Flaschen Sekt den EM-Titel. Wenn man das sieht, muss man nicht mal Fußballfan sein, um Lachkrämpfe zu bekommen. Markus Huber

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