Fernsehen : Der schwarze Kanal

Im November starten die deutschen Bestatter in Brandenburg das erste deutsche Trauerfernsehen.

Frau Gernig, der Bundesverband deutscher Bestatter will im Herbst einen eigenen Fernsehkanal starten. Wer in aller Welt soll sich für ein EosTV interessieren, das den Tod zum Thema hat?

Im Prinzip geht der Tod ja alle an. Realistischerweise wird EosTV aber natürlich nur von einer bestimmten Zielgruppe eingeschaltet werden. Durch den demografischen Wandel können wir aber von einem größer werdenden Publikum ausgehen. Ältere Menschen haben eigene Bedürfnisse und Probleme. Gerade was das Thema Tod angeht: In einem Sterbefall stellen sich viele Fragen, die man sich zu Lebzeiten nicht stellen will und dann eben auch nicht beantworten kann. Da ist so ein Medium wie das Internet oder das Satellitenfernsehen hervorragend geeignet, sich diskret und anonym zu informieren. Und EosTV wird seriös aufklären.

Ist diese Programmidee durch die Marktforschung gelaufen?

Die Idee lag eigentlich in der Luft, genauso wie der Bestseller-Erfolg „Das Methusalem-Komplott“ von Frank Schirrmacher. Also: Da ist einerseits die demografische Entwicklung, die zu einer neuen Zielgruppe führt, andererseits wandelt sich die Bestattungskultur in Deutschland und auf diese Veränderungen wollen wir eingehen. Die Zahl der anonymen Bestattungen nimmt beispielsweise dramatisch zu – und das macht uns Sorge. Dahinter verbirgt sich ein verändertes, zunehmend materialistisches Menschenbild, mit dem die Gefahr einer „Entsorgungsmentalität“ verbunden ist. Dem wollen wir entgegensteuern.

Womit wird EosTV das 24-Stunden-Programm füllen?

Eine Säule werden Nachrufe sein, eine zweite Säule Programmpartnerschaften wie mit Herstellern von Treppenliften oder Betreibern von Pflege- und Seniorenheimen beispielsweise. Für diese Partner stehen 47 Prozent der Gesellschafteranteile zur Verfügung. Ferner soll es um praktische Fragen der Vorsorge und Bestattungskultur gehen, aber es wird auch Dokumentationen über Friedhöfe als „Ort des kulturellen Gedächtnisses“ geben. Drittens werden Fördermittel in Brandenburg beantragt.

Werden bei Ihnen professionelle Nachrufer beschäftigt?

Auf jeden Fall professionelle Filmer. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten Enkelkinder und könnten denen Filme von ihren Großeltern zeigen. Das Material ist in vielen Familien vorhanden. Dazu kommt die heutige Technikaffinität, was in der Konsequenz heißt: Film statt Fotoalbum.

Entschuldigung, aber wie grenzt sich Ihr Programm vom Homeshopping-TV ab?

Wir machen keinen Verkaufssender, sondern einen Informationskanal.

Wird das ein Abo-TV für Nekrologen oder ein frei zugängliches Fernsehangebot?

EosTV wird ein digitaler Satellitenkanal. Das hat mit Nekrophilie wenig zu tun. Es soll natürlich auch Sendungen über Bestattungskulturen geben. Heute gibt es, nur als Beispiel, „Trauerdiamanten“. Da wird die Asche, die bei der Kremation anfällt, zu einem Diamanten gepresst. Ich bekomme als Pressesprecherin des Bundesverbandes Anrufe, was so ein „Trauerdiamant“ kostet und, gleich im Anschluss, werde ich gefragt, wie hoch der Wiederverkaufswert sei. Über diese Tendenzen, dass ein Verstorbener in einen ökonomischen Kreislauf integriert werden soll, wollen wir aufklären. Missionieren wollen wir nicht.

Sie wollen Fördermittel des Landes Brandenburg. Mit welchem Argument?

Es wird von Glienicke in Brandenburg aus gesendet, so dass dort neue Arbeitsplätze entstehen. In einem zweiten Schritt werden wir auch in weitere deutschsprachige Länder expandieren.

Gibt es internationale Vorbilder?

Nein, da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.

Der Tod trägt also ein deutsches Copyright. Wann startet das erste deutsche Trauerfernsehen?

Im November, dem klassischen Monat der Totengedenktage.

Kerstin Gernig ist Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter e.V. in Düsseldorf. Mit ihr sprach Joachim Huber.


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