Fernsehen : Der Styling-Guru

Offenbar unvermeidlich: Bruce Darnell bringt Lebenshilfe-TV ins Erste. Ob sich die ARD-Zuschauer seine Tipps zu Herzen nehmen bleibt abzuwarten.

Yoko Rückerl
Bruce Darnell
Das Leben sei "eine journey": Anne F., eine der Styling-Kandidatinnen, wünscht sich Bruce Darnell als Hochzeitsplaner. -Foto: ARD

Daniel versteht die Welt nicht mehr. Immer gerät der sonnengebräunte und muskelgestählte Altenpfleger an die falschen Frauen. Ein Mann soll das nun ändern: Bruce Darnell, Ex-Juror bei Heidi Klums Modelsendung „Germany’s Next Topmodel“ (Pro 7). Heute um 18 Uhr 55 startet Darnells Sendung „Bruce“ im Ersten. Der 50-jährige Amerikaner wird darin vom Laufsteg- zum Lebenstrainer. „In meiner neuen Show versuche ich nicht, Menschen zu ändern, es geht darum, ihnen zu helfen“, sagt Darnell, der bei „Germany’s Next Topmodel“durch Sätze wie „Das ist der Wahrheit“ oder „Die Handetasche muss lebendig sein“ und seine dramatischen Gefühlsausbrüche Kultstatus erreicht hat. Bei „Bruce“ will Darnell Menschen mit wenig Selbstbewusstsein Mut zusprechen, ihr Leben umzukrempeln. „Es ist wichtig, an sich zu glauben, ein positives Image aufzubauen.“ Das sehe man Menschen sofort an. „Sie haben eine ganz andere Art, sich zu bewegen, eine andere Twist.“ Unterstützt wird Darnell dabei von der Stylistin Katja Will und der Visagistin Anne Pleli. Sie sorgen für neue Kleidung, Frisur und Schminke der Kandidaten.

„Manche Leute bekommen überhaupt kein Feedback von ihrer Umgebung. Das macht natürlich unsicher“, sagt Torsten Maassen, Sprecher der „Bruce“-Show. Bei Menschen wie Altenpfleger Daniel stehe das Aussehen nicht im Einklang mit der Persönlichkeit. „Die Sendung soll aber keine Leben umkrempeln, das ist in so einer kurzen Zeit auch gar nicht möglich. Bruce soll Impulse geben, wie ein kleiner Wegweiser.“ Mit Vorher-Nachher-Shows wie „Das Modell und der Freak“ oder „The Swan“ (beide Pro 7) soll „Bruce“ aber nicht verglichen werden. Bei „Das Model und der Freak“ badete Ex-Bachelorette Monica Ivancan im Leopardenbikini mit überforderten Single-Männern, die sich mal locker machen sollten. Bei „The Swan“ ließen sich Kandidatinnen vor laufender Kamera Fett absaugen und Nasen kleiner schneiden.

Das Einzige, was die Shows gemeinsam hätten, sei der Spiegel, vor den die Protagonisten am Ende der Sendung treten. „Die Radikalität einer Show wie ,The Swan‘ liegt uns völlig fern“, sagt Maassen. Bruce Darnell wird also Aura-Trainer, und die ARD setzt daran große Erwartungen. Das Vorabendprogramm gilt als Sorgenkind der ARD und hatte vor allem im vergangenen Jahr Probleme, mit den Telenovelas bei den Privatsendern zu konkurrieren.

Der Altersdurchschnitt der Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Senders liegt laut ARD-Sprecher Burchard Röver bei 59 Jahren. „Wir erwarten uns mit Bruce Darnell mehr Zuschauer auf dem Sendeplatz. Es wäre ideal, wenn ,Bruce‘ bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen zweistelligen Marktanteil erreicht.“ Der Sender möchte mit der Sendung neue Zuschauer gewinnen, aber sein Stammpublikum behalten. „Mit Bruce Darnell haben wir nun jemanden, der Jung und Alt gleichermaßen anspricht“, sagt Röver.

Darnell behält wie auch bei „Germany’s Next Topmodel“ die Rolle des charmanten Trösters. Ankerpunkt der Show ist ein Loft, sozusagen das TV-Heim von Bruce. Darin eine Küche und eine Fernsehecke mit Sofa. Hier wird Darnell mit Kandidatinnen wie Madlen oder Anna sitzen und sich Videos zur Typen-Analyse ansehen. Es gibt keine Distanz zwischen Darnell und seinen Gästen. Im Zweifel ist er es, der schneller weint. „Die Menschen merken, dass er weiß, wovon er spricht“, sagt Maassen. Darnell wuchs in einer zwölfköpfigen Familie in Texas auf. Weihnachten soll er vor allem im Keller verbracht haben, sein Stiefvater schickte ihn zur Army. Später war er Model. „Jetzt habe ich eine eigene Sendung“, sagt Darnell. „Unbelievable!“ Und: Das Leben sei „eine journey“.

Name und Laune des Ex-Jurors von Heidi Klum sind der ARD offenbar Konzept genug. Darnell will mehrere Tage mit den Kandidaten verbringen, machen, wozu er gerade Lust hat. Mit einer Kandidatin fährt er nach Paris, weil er spontan entschieden hat, „dass es gut für die Frau ist, nach Paris zu fliegen“. Darnell wird die Frauen und Männer seiner Show zu Hause besuchen, beste Freunde einladen, auf Hochzeiten auftauchen. Es wird Dramen geben. „Gefühle sind doch etwas ganz, ganz Normales“, sagt Darnell. „Und man muss sie auch zeigen können.“ Er sei schließlich kein „Robot“.

„Bruce“, ARD, Dienstag bis Freitag, 18 Uhr 55.

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