Fernsehen : Fantasy als humorvolles Stilmittel

Die RTL-2-Serie „Das verschwundene Zimmer“ spielt mit der Macht der Dinge. Dabei wirkt es wie eine etwas verrückte Spielerei von Studenten mit dem amerikanischen Mythos.

Thomas Gehringer

Die Fantasy-Literatur bedient sich gerne magischer Gegenstände, man denke nur an Tolkiens „Herr der Ringe“. Die Menschen werden zu besessenen Jägern, werden aus Habsucht und Gier getrieben oder müssen das mächtige Ding zerstören und die Welt erlösen. Dieses Grundmuster wird in „Das verschwundene Zimmer“ verblüffend clever, spannend und fernsehgerecht genutzt. Die intelligente Mini-Serie auf RTL2 spielt nicht in irgendwelchen Fantasywelten, sondern in der Gegenwart, und die magischen Gegenstände sind Alltagsutensilien – mit erstaunlichen Eigenschaften: eine Armbanduhr zum Beispiel kann Eier kochen, ein Kamm kann die Zeit anhalten und ein Schlüssel, mit dem man jede Tür aufschließen kann, führt immer in ein bestimmtes, karges Zimmer in einem einsamen Motel an der legendären Route 66. Von dort aus kann man wiederum aus jeder Tür an jedem gewünschten Ort heraustreten. Ziemlich praktisch das Ganze und ziemlich gefährlich.

Mit „The Lost Room“ (Originaltitel), im Dezember 2006 als Dreiteiler im amerikanischen Sci-Fi-Channel ausgestrahlt, landet wieder eine herausragende Serie in Deutschland, allerdings nur in der zweiten TV-Liga, bei RTL2. Eine vierstündige Mini-Serie ist hierzulande ein ungewöhnliches Format, RTL2 strahlt sie komplett an zwei Abenden aus.

Fans der Serie „Six Feet Under“ können sich über ein Wiedersehen mit Peter Krause freuen, der hier als smarter Polizist beeindruckt. Krause spielt Detective Joe Miller, dem die Schlüssel bei Ermittlungen zu einem rätselhaften Doppelmord in die Hände fallen.

Als seine Tochter in dem mysteriösen Motelzimmer verschwindet, taucht Miller ein in die skurrile Welt der Sammler und Jäger. Nun muss er das Rätsel des Zimmers lösen, aus dem die Gegenstände stammen. Rat und Hilfe sucht Miller bei Jennifer Bloom (Julianna Marguiles/„Emergency Room“), einer Agentin der „Legion“, die den magischen Spuk beenden will.

„Das verschwundene Zimmer“ wirkt wie eine etwas verrückte Spielerei von Studenten mit dem amerikanischen Mythos. Fantastische Effekte sind hier kein pflichtgemäß inszeniertes Brimborium, sondern ein ideenreiches, zuweilen humorvoll eingesetztes Stilmittel. Erstaunlich, wie hilfreich ein Busticket sein kann, das einen immer zum selben Ort katapultiert. Thomas Gehringer

„Das verschwundene Zimmer“; RTL2, heute und Samstag, 20 Uhr 15

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