Fernsehen : Gedenken an Holocaust: ARD steigt aus

Die Programm-Stalinisten in der ARD haben wieder zugeschlagen. Diesmal hat es Horst Köhler erwischt.

Joachim Huber

Wenige Minuten, bevor der Bundespräsident seine Rede bei der Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages am Dienstag beendete hatte, beendete das Erste abrupt die Übertragung aus dem Parlament. Die Begründung aus dem ARD-Hauptstadtstudio für die „Momententscheidung“ um 11 Uhr 59 : Hätte man bis zum Ende, bis 12 Uhr 08 übertragen, dann wären die Zuschauer unvermittelt in die „heute“-Nachrichten geraten. Das wollte man dem Publikum nicht zumuten. Außerdem hätten sich die Veranstalter nicht an die vereinbarten Zeitangaben gehalten, außerdem wäre die Übertragung bei Phoenix weitergelaufen.

Der CDU-Medienpolitiker Wolfgang Börnsen kritisierte den ARD-Ausstieg als „einen Akt der Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus und ihren Hinterbliebenen“ und als Brüskierung des Bundespräsidenten. Börnsen stellte noch in Zweifel, ob die ARD bei einer Fußball-Übertragung oder beim „Musikantenstadl“ aussteigen würde. Da kann der CDU-Mann unbesorgt sein. Das würde die ARD nicht tun. Sie ist vollauf damit beschäftigt, sich bei Live-Veranstaltungen für Gedenken und Geist aus dem Staub zu machen. Am 19. Oktober 2008, bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Anselm Kiefer, hatte das Erste die Übertragung abrupt beendet, weil der „Presseclub“ zur Aussendung anstand. Da ist der Ausstieg beim Holocaust-Gedenken konsequent. Programm Stalinisten sind so.

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